"Zwischen Blicken" - Eine Geschichte von Lia Erny - Young Circle

«Zwischen Blicken» – Eine Geschichte von Lia Erny

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«Zwischen Blicken» – Eine Geschichte von Lia Erny

Ein neuer Job, ein grosses Hochhaus in New York und die Chance auf einen Neuanfang. Doch als Ally beim Vorstellungsgespräch auf den geheimnisvollen Deniel trifft, merkt sie schnell, dass hinter dieser Gelegenheit mehr steckt, als sie gedacht hat. Vielleicht ist dieser Tag nicht der Beginn ihres Traumjobs – sondern der Anfang von etwas viel Komplizierterem.

Wie jeden Morgen stand ich unter dem dampfenden Wasserstrahl der Dusche. Das Gefühl der brennenden Hitze auf meiner Haut fühlte sich einfach richtig an. So beruhigend. Aber heute war es anders, denn ich war sehr aufgeregt. Mein Magen zog sich zusammen als ich an den heutigen Tag dachte. Denn es ist ein entscheidender Tag. Ich versank so in Gedanken, dass ich das Zeitgefühl verlor. Schnell huschte ich aus der Dusche und zog mir meine edelsten Kleider an. Dieses Outfit bestand jedoch nur aus einer weissen Bluse über dem ich mein teurer Mantel mit goldverzierten Details anzog. Jedoch habe ich keine Ahnung, ob es echtes Gold ist. Ich bezweifle es. Eine blaue Jeanshose vollendete das Outfit. Ich fühle mich hässlich. Nicht einmal die schwarzen Absatzschuhe, geschweige meinen braunen wirren Locken sahen gut aus. 

Ein Blick auf mein Handy verriet mir, dass ich mich beeilen sollte. Also nahm ich meine Autoschlüssel zu meinem alten Kia und rief meiner Familie ein überstürztes „ich liebe euch!“ zu. 

Als ich 10 Minuten später im Stau stand, konnte ich das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit meinen Kopf für einen Moment ausschalten. Naja, eher ein kurzer Moment, denn von hinten hörte ich ein lautes Hupen. Es gehörte wohl einem teuren Auto. Ein Lamborghini oder so was. Als ich vor mich blickte, sah ich, dass freie Bahn war. Hoffentlich war sie noch nicht lange frei. Ich fuhr los und sah in den Rückspiegel. Ein Mann jungen Alters sah mich ziemlich wütend an. Verständlicherweise. Sein Körper sah sehr muskulös aus. 

Als ich endlich vor einer der teuersten Banken auf einem Parkplatz mein Auto abstellen konnte, ging ich im Kopf nochmals durch, wie ich mich bei meinem Vorstellungsgespräch vorstellen würde. Ja, ich habe einen Job nach langer Suche bekommen. Leider nicht in der Bank selber, denn ich bin erst 17 Jahre alt. Für diese Bank muss man viel Erfahrung mit sich bringen. Jedoch soll ich das neue Kindermädchen der Tochter des Inhabers werden. Der Job war sehr gut bezahlt, was auch ein Grund war, weshalb ich mich beworben habe.

Ich fuhr mit dem Fahrstuhl in den 23 Stock des einen von vielen riesigen Hochhäuser New Yorks. Mein Blick schweifte über diese grosse Stadt. Allerdings war dieser Blick nicht besonders für mich, denn ich lebte schon mein ganzes Leben hier. Ein hohes „Blingg“ riss mich aus meinen Gedanken. Ich war also oben angekommen. Ab jetzt durfte ich keinen Fehler mehr machen. 

Ein junger Mann in einem Anzug empfing mich. Ich war so in meinem Text vertieft, den ich mir sogar aufgeschrieben habe, dass ich zuerst nicht in sein Gesicht blickte. Doch als er mich bei meinem Name Ally Jensen rief, sah ich in sein Gesicht. Die grünen strahlenden Augen fielen mir als erstes auf. Sie funkelten so schön wie Diamanten. Als ich mich dann von ihnen abwenden konnte, sah ich es. Mein Magen verkrampfte sich. Sein Körper. So muskulös. Es war der Mann, der mich in seinem teuren Auto angestarrt hatte. Er erinnerte sich wohl auch daran, denn als er in mein Gesicht blickte, verhärtete sich sein Blick. 

Er brach als erster die Spannung zwischen uns. Er bat mich ihm in sein Büro zu folgen. Unmöglich das konnte doch nicht sein. Er war mindestens in meinem Alter. Er kann doch noch keine Tochter haben! Als ich mich ins Büro setze, erschien ein zweiter Mann. Er sah älter aus. Allerdings strahlten seine Augen ebenfalls. 

Jetzt verstand ich die Welt wieder. Er war der Vater. Ich war wohl zu erleichtert, weshalb der Mann mir ein Glas Wasser anbot. Ich nickte nur knapp, denn zu mehr war ich gerade nicht fähig. Als er wieder kam, fingen wir an. Er stellte sich als Herrn Scoot vor und erklärte mir das Deniel sein Sohn ist. Wir sprachen über meine zukünftigen Verantwortungen als Kindermädchen, die ich für seine Tochter — Deniels jüngere Schwester — tragen werde und über mich. Jedoch konnte ich mich nicht wirklich aufs Wesentliche konzentrieren, denn mein Blick schweifte immer wieder zu Deniel hinüber. Er sah einfach unfassbar gut aus. Sein Ausdruck verriet mir, dass er das genau wusste. 

Plötzlich sprach Deniel zu seinem Vater, dass sie die anderen Kindermädchen gar nicht mehr sprechen müssten, denn er wollte nur mich. Ich war überrascht über seine Antwort, gleichzeitig, aber auch sehr erleichtert. Ich habe mich wohl doch gut geschlagen. Während sein Vater zufrieden nickte und etwas in seinen Unterlagen notierte, spürte ich Deniels Blick auf mir liegen. Als ich aufsah, lächelte er leicht. Dennoch erreichte dieses Lächeln seine Augen nicht. Ein unangenehmes Kribbeln lief meinen Rücken hinunter. Zum ersten Mal fragte ich mich, weshalb er sich so sicher gewesen war, dass er nur mich wollte. 

In diesem Moment wurde mir klar, dass ich mich über diesen Job zu früh gefreut hatte.

Vielleicht war dieser Tag nicht der Anfang meines Traumjobs, sondern der Beginn meines größten Problems.                                              

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