"Wir sind alles nur Menschen" - eine Geschichte von Angelina Gugger - Young Circle

„Wir sind alles nur Menschen“ – eine Geschichte von Angelina Gugger

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„Wir sind alles nur Menschen“ – eine Geschichte von Angelina Gugger

Ich liebe es mit meinen Freunden Basketball zu spielen, es ist eine gute Ablenkung von meinem Alltag.

Ich passe den Ball, der die Farben von LeBrowns Team hat, zu meinem grossen Bruder Kyle der ihn fängt und einen perfekten weiteren Punkt für unser Team macht. Im Hintergrund läuft passend zu unserem Sieg, Popstar von einer meiner absoluten Lieblingssänger Drake. Das Gegner Team besteht aus meiner besten Freundin und ihrem grossen Bruder, Lucie und Tiago. Schon seit ich 5 Jahre alt bin, spiele ich Basketball, es ist zu einem wichtigem Teil von mir geworden seit ich in die Schule gehe es ist die einzige Möglichkeit in der ich alles um mich herum vergesse. Meine Probleme in der Schule, die Sprüche von meinen Mitschülern die ich mir jeden Tag hören muss, oder meine schlechten Noten in Mathe. Aber ganz
ehrlich? Ich konnte noch nie Mathe leiden. „Yoojung ich will nachhause! Die Show von Sandmann läuft gleich!“ Ich drehe mich zum Rand des Basketball Platzes, wo ich meine kleine Schwester gelassen habe, wo sie in ruhe zeichnen und Hörbücher anhören kann. Holly schaut jeden Abend die Sendung, wie ich es früher getan habe. Wir sind 3 Geschwister, ich wurde aber adoptiert darum habe ich auch einen koreanischen Namen, während Kyle und Holly kalifornische wurzeln haben. Und trotzdem liebe ich sie
von ganzem Herzen. Ich werde immer meinen Adoptiveltern dankbar sein, auch wenn wir einen schweren Anfang hatten, könnte ich mir keine besseren Eltern wünschen. Ich, Holly und Kyle verabschieden uns
von Lucie und Tiago und gehen nachhause. Wir laufen durch die Straßen von Georgia, in der ich fast mein ganzes Leben verbracht habe.

Es ist mittlerweile schon sehr spät und es ist dunkel, die Straßen werden von Straßenlaternen beleuchtet, als kleines hatte ich immer Angst hier draussen zu sein, weshalb mich Kyle immer vom Tanz Unterricht abgeholt hat. Was er immer noch fast jede Woche macht. Ich liebe es zwar mit meiner Familie unterwegs zu sein, jedoch gibt es manchmal Tage an denen Menschen uns komisch ansehen. Oder besser gesagt mich. Nur weil ich viel heller und vielleicht eine andere Augenform habe, heisst das noch lange nicht das ich nicht hier hergehöre. In meinen Gedanken versunken, merke
ich nicht das sich eine Gruppe Jungs aus meiner Schule sich uns annähern, sie sind im Abschluss Jahr und verdammt sportlich. Erst als sie uns eine Bierflasche anwerfen hebe ich meinen Blick richtig vom Boden. Ich nehme Holly an die Hand und ziehe sie näher an mich. Kyle versteift sich und schaut die Gruppe mit finsteren Augen an. Sie versperren die Straße die zu uns nach Hause führt. „Na ihr, was macht ihr denn noch so spät hier draussen?“ Sagt der größte von der Truppe, er heisst Austin und hatte
schon immer was gegen mich und meine Familie, jedoch weiss ich bis heute immer noch nicht was und warum. Er hat einen schwarzen Jogginganzug an, und eine Nike Kappe. Wenn er mich nicht hassen würde, würde ich wahrscheinlich sagen, das er echt gut aussieht. Die anderen 4 sind ähnlich bekleidet, alle tragen eine Kappe, ein paar haben auch eine Bierflasche in der Hand. „Ey du Schlitzauge, was machst du hier Mhmm? Verpiss dich zurück in dein verdammtes Land! Hast du es immer noch nicht verstanden, sollten wir dir noch eine Lektion erteilen?“ sagt einer, die anderen johlen mit, und beleidigen uns weiterhin, während Lucie langsam anfängt zu zittern. Vor ein paar Wochen haben sie mich in der Schule verprügelt, ich habe mich damit abgefunden und mich nicht gewehrt, weil ich einfach Angst habe das es jeden Tag nur noch schlimmer wird. Mittlerweile ist es für mich zum Alltag geworden. Holly klammert sich an mich und vergräbt ihr Gesicht in meinem Arm. „Okay Leute lasst uns bitte durch, wir
haben euch nichts getan okay?“ Kyle macht einen schritt nach vorne, er ist etwa gleich gross wie die Jungs, aber er hat deutlich weniger Maße, was ihn weniger bedrohlich wirken lässt. „Vergiss es, die kleine da hat hier nichts zu suchen! Ich hab die schon paarmal hier gesehen und es reicht schon das sie an unsere schule geht, sie benimmt sich wie jeder anderer hier, und denkt sie dürfte hier sein, aber niemand von uns will Schlitzauge hier haben!“ Mit jedem Wort wird der Austin lauter und zeigt bedrohlich auf mich.
Die anderen stimmen ihm zu, die wenigen Leute die noch unterwegs sind, laufen aber ohne uns zu beachten einfach weiter. Kyle geht noch ein Schritt weiter nach vorne, ich versuche ihn noch mit meiner Hand zurückzuhalten, aber er entweicht meinem Griff und geht gefährlich nah an die Gruppe die ihn verächtlich mustern. „Wenn ihr ernsthaft ein Problem mit meiner Schwester habt, habt ihr ein verdammt grosses Problem mit mir!“ Ausin taumelt betrunken, ein bisschen nach hinten, durch die lauten Worte von
meinem gleich grossen Bruder. Anscheinend nehmen das die anderen Jungs als Warnung und umkreisen Kyle, ich nehme Holly auf denn Arm und trage sie zu einer Gasse die direkt neben uns ist, Holly klammert sich an ihrem Stofftier Kätzchen fest, das ich ihr zum 3. Geburtstag geschenkt habe, und schaut mich mit verängstigten Augen an. „Hör zu Holly, du bleibst hier und…“ Ein lauter knall ertönt was mich zusammenzucken lässt. Hastig lasse ich Holly hinter einem Müllcontainer runter, und lege meinen Rucksack neben sie hin. Ich wende mich hastig zum gehen und höre noch Hollys wimmern, als ich um die ecke biege, und noch sehe wie Kyle zu Boden sinkt und sich nicht mehr bewegt. Die Jungen treten Kyle nochmal in seine rippen und rennen weg als ich sie anschreie. Außer einer, der bleibt neben Kyle stehen und schaut zu ihm herunter, er heisst glaube ich David, er starrt entsetzt zu meinen Bruder und zittert, wendet erst den Blick von Kyle zu mir als ich neben meinem Bruder zu Boden sinke. Aus Kyles Hals fließt dunkles Blut heraus und er schaut mich mit glänzenden Augen an. Mein Blick verschleiert sich, als mir Tänen an meinen Wangen runterfließen und auf sein, mit Blut getränktes Shirt runter tropft.


„Yoojung…Verg-giess nie…“ Kyle hustet Blut aber er schaut mich weiterhin mit tränenden Augen an. Ich versuche die Blutung mit meine Jacke zu stoppen aber, sie saugt sich sofort mit dem Blut voll, das aus ihm herausläuft. „Das du…nicht A-alleine b-bist.“ Ich nicke schluchzend, und versuche ihm einzureden das alles gut wird, versuche die Blutung an seinem hals mit meinen Händen zu stoppen, da meine Jacke
schon ganz mit Blut voll ist, aber nichts davon hilft und nach ein paar Augenblicken schließt Kyle die Augen, und atmet das letzte mal aus. Ich schreie seinen Namen, schüttel ihn, und versuche seinen Herzschlag zu spüren, aber es passierte nichts. Ich bekomme noch mit das, Sanitäter eintreffen, und das Polizisten denn jungen befragten, aber niemand kümmerte sich um mich, ich sass einfach nur da und weinte ununterbrochen, bis ich die entsetzten stimmen meiner Eltern hörte und um mich alles schwarz wurde.


12 stunden später

Kyle ist tot. Das war das einzige an dem ich die ganze Zeit dachte, nachdem ich aufgewacht bin im Krankenhaus. Ich liege in meinem Bett, zuhause, meine Eltern haben mich nachhause gebracht nach dem ich zusammengebrochen bin und Holly ist bei ihrer Tante, damit sie abgelenkt ist. Anscheinend hatsie n och nicht ganz verstanden was mit Kyle passiert ist, denn sie fragt die ganze Zeit wo Kyle ist, oder ob er mit ihr eine Runde Mario Kart spielen kann. Aber er ist nicht mehr hier. Er wird nicht mehr mit mir Basketball spielen. Er wird nie mehr wieder die besten Pancakes machen können, oder mit mir heimlich Minecraft auf der Switch spielen können in der Nacht. Und ich werde ihn nie mehr umarmen können. Ich
kann ihn nicht mehr umarmen, nicht mehr sagen das er der beste grosse Bruder ist, oder ihn nicht aus meinem Zimmer scheuchen, weil ich mal wieder lesen will, ohne das er mich dabei mit seinem Geplapper stört. Er wird mir nie mehr wieder an meinem Geburtstag, mir sagen wie gross ich geworden bin. Und ich kann ihm nicht mal mehr dafür danken, das er mich immer unterstützt hat. Dabei bin ich ihm so viel schuldig.

Es klopft an meiner Tür und meine Mutter kommt herein. Sie schaut mich mit traurigen Augen an und tretet an mein Bett. „Hey Mäusschen, wie gehts dir so?“ Sie streicht durch meine schwarzen Haare, und setzt sich neben mich auf einen kleinen Hocker. „I-ich bin schuld das er jetzt tot ist o-oder?“
Die Antwort will ich nicht hören, denn ich weiss das ich schuld bin, er wollte mich beschützen, und das hat ihm sein leben gekostet. Nur wegen mir ist er jetzt tot. Nur wegen mir hat Holly keinen Bruder mehr. Ich alleine bin daran schuld. Nur weil ich verdammt nochmal von einem anderen Land komme, musste mein Bruder sterben. Nur weil ich, ich bin. Ich bin doch auch nur ein Mensch wie Millionen andere.
Aber manche werden es wohl nie verstehen.

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