Rauch stieg in meine Nase. Ich blieb stehen und drehte mich um. Es kam nicht vom Haus, sondern vom Stall. Mein Atem ging schneller, ich rannte los. Der beissende Rauch trieb mir Tränen in die Augen. Nichts um mich herum nahm ich noch wahr, meine Gedanken waren nur noch bei ihm. Ich schrie um Hilfe, doch meine Stimme ging im Knistern der Flammen unter. Meine Kehle brannte vom Rauch, doch ich rannte weiter, bis ich den Stall erreichte. Ich hörte ein verzweifeltes Wiehern, gleich darauf Hufe, die gegen die Boxentür schlugen. Northstar, der sonst über alle Hindernisse flog. Nur wegen mir stand er heute Nacht im Stall. Mein Magen zog sich zusammen und ich versuchte verzweifelt irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Aber ich war nicht einmal mehr in der Lage, die Feuerwehr zu rufen. Also riss ich die schwere Stalltür auf. Rauch schlug mir wie eine Wand entgegen. Als ich die Flammen sah, blieb mein Herz stehen. Nein. Nicht Northstar. Wäre ich doch bloss nicht dieses Risiko eingegangen. Ich durfte ihn nicht verlieren. Mit zusammen gebissenen Zähnen ging ich hinein, um Northstar rauszuholen. Meine Knie gaben vor Angst und Hitze fast nach, trotzdem lief ich eilig weiter in den brennenden Stall. Ein Holzbalken brach vor mir von der Decke. Ich schrak wie von der Tarantel gestochen zurück. Metall klirrte, Holz brach. Das Lodern der Flammen, die Hitze und die Funken, waren unerträglich. «Northstar!» Ich hastete los. Die Hitze schlug mir ins Gesicht, Rauch füllte meine Lunge. Voller Panik wich ich den Flammen aus, die wie Tentakel nach mir griffen. Ich ignorierte den Schmerz, der das Feuer verursachte und versuchte unter dem brennenden Balken hindurch zu krabbeln, der von der Decke gestürzt war. Mir lief es kalt den Rücken hinunter, als ich merkte, dass ich hier nicht durchkam. Es war zu eng und das Feuer zu gross. Krampfhaft sah ich mich im inzwischen verlassenen Stall um, doch alles stand bereits in Flammen. Nein, da, die eine Box wurde noch nicht vom Brand verschluckt. Schnell steuerte ich darauf zu. Mein Rücken brannte vor Hitze. Ich schwang mich auf die Boxenwand und hielt mich an den Gitterstäben fest, die an der Box angebracht waren. Ich kletterte an ihnen zur nächsten Box, vorbei am brennenden Balken und versuchte mich dabei nicht zu verbrennen. Obwohl es dafür wahrscheinlich schon längst zu spät war. Ich sprang wieder zu Boden und riss erschrocken den Kopf herum, als ich hörte, wie Northstar langsam durchdrehte und immer wieder an die Boxenwand schlug. Das Feuer breitete sich viel zu schnell aus und erreichte mittlerweile auch seine Box. Er wich humpelnd zur Seite, das vom Sprung verletzte Bein knickte fast wieder um. Er wieherte erneut. Ich rannte zu ihm und sah, dass die Flammen ihn nun umzingelten. Ich riss die Boxentür auf, das Feuer frass sich durch das Stroh und seine Mähne war voller Funken. Mit zitternder Stimme redete ich auf ihn ein. Doch als er den Kopf hochriss, spiegelte sich das Weisse in den Augen wider, die sonst bei jedem noch so grossen Hindernis ruhig blieben. Da wusste ich, dass das alles meine Schuld war.
Es krachte über mir. Ich riss den Kopf hoch – und sah, wie der Dachbalken direkt über Northstar Box nachgab.
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