"Was wenn Sterne mich sehen würden?" - Eine Geschichte von Amely Hosp - Young Circle

«Was wenn Sterne mich sehen würden?» – Eine Geschichte von Amely Hosp

Member Stories 2026

«Was wenn Sterne mich sehen würden?» – Eine Geschichte von Amely Hosp

Was wäre, wenn jeder Mensch einen eigenen Stern hätte, der über ihn wacht? Als die Erzählerin einen geheimnisvollen Brief von ihrem „Stern“ erhält, beginnt sie die Welt mit anderen Augen zu sehen. Eine berührende Geschichte über Hoffnung, Stärke und die kleinen Lichter im Dunkeln.

Was, wenn Sterne mich sehen würden?
Wäre mein Leben dann anders verlaufen als jetzt?
Hätten mir die Sterne an irgendeiner Stelle im Leben eine Sternschnuppe geschickt?
Und wenn ja, was wäre mein tiefster und sehnlichster Wunsch?

An einem warmen Morgen wurde ich von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Ich war verschlafen und rieb mir müde mit geballten Händen die Augen und mein Blick fiel auf meinen Wecker, der ruhig dastand.
Es ist erst sechs Uhr… Kann ich nicht noch ein bisschen weiterschlafen bis mein dieses doofe Ding mich wach läutet? Ich versuchte mich an meinen Traum zu erinnern. In Gedanken versunken liess ich mich in mein Kissen fallen und schloss meine Augen. Ich konnte mich noch daran erinnern, dass vor mir eine grosse blaugrüne Kugel vor Augen war, auf welche ich immer naher zuging. Sie wurde immer grösser und so langsam konnte man mehr erkennen. Mein Blick fiel auf einen grossen Garten, indem mehrere Apfel- und Kirschbäume standen. Am Gitterzaun, welcher die ganze Fläche umgab, waren überall Brombeersträucher angewachsen. Und da. Man konnte Bewegungen wahrnehmen. Längere braune Haare fielen einem Mädchen über den Rücken und sie lachte fröhlich, während sie durch das hohe Gras stampfte.
Irgendwie kam mir dieses Mädchen so bekannt vor, doch ich konnte ihr keinen Namen zuordnen. Ich blinzelte, als mein Wecker klingelte und ich sofort auf der Bettkante sass.
Sah ich das wirklich?
Habe ich geträumt, dass ich ein Stern bin und die Welt von ihrer Position aus sehen kann?
Wenn ja, wieso half er mir nicht, als ich am tiefsten Punkt von meinem Leben war und mich noch immer da unten befinde?

Mit diesen Fragen stand ich auf und machte mich bereit für den Tag. Wie jeden Morgen ging ich in den Vorgarten und holte die Post aus meinem Briefkasten raus. Heute war wie immer viel Werbung dabei. Unter den vielen verschiedenen Katalogen fand ich einen Navy Blauen Umschlag, der eine lange Reise hinter sich zu haben schien. In einer klaren Schrift, welche ich niemandem zuordnen konnte, stand meine Adresse darauf, was mich neugierig machte. Auch befand sich komischerweise keine Briefmarke darauf, jedoch eine kleine Zeichnung eines goldenen Sternes aufgemalt. Ich lief schnell in mein Zimmer zurück, warf die Werbung auf den Boden und öffnete den Brief. In der einer geschwungenen Schrift konnte ich einen Text sehen, welcher mit weiteren goldenen Sternchen geschmückt war.

Hey du. Ich bin Opheya. Vielleicht fragst du dich gerade wer ich bin und woher ich deine Adresse habe. Ich bin ein Stern, genauer gesagt dein Stern. Und bevor du dir den Kopf zerbrichst wieso in aller Welt ich dir schreibe kann ich dir auch diese Frage beantworten. Ich möchte, dass du weisst, dass jeder Mensch bei der Geburt einen Stern zugeteilt bekommt, der das ganze Leben an seiner Seite bleibt. Wenn ein Mensch sterben sollte, erlischt der Stern und fliegt ein letztes Mal als Sternschnuppe über den Himmel.
Wieso ich dir das jetzt schreibe? Vielleicht magst du dich an deinen Traum erinnern. Aus dieser Sicht sehe ich dich und kann im Notfall einschreiten oder etwas kleines Verändern. Ja. Du hast so viele Dinge erlebt, bei denen ich nicht eingeschritten bin und du es alleine meistern musstes. Jedoch nicht, weil ich dir nicht helfen wollte, oder dich vergass, sondern weil ich die Situationen als Lernfeld sah.
Als du die letzten Tage zerstört auf dem Boden lagst dachte ich, du solltest wissen, dass du nie alleine bist und ich dir helfen werde. Auch wenn ich dich nur von innen her stärke. Ich weiss, dass du diese Momente durchstehen wirst, weil du ein verflucht starker Mensch bist!
Wenn du an dir zweifelst, dann schau von nun an immer in den Himmel und suche die Sterne. Vielleicht findest du mich ja irgendwo.
Alles Liebe, deine Opheya

Ich strich mir die Tränen aus den Augen und liess mir die Worte durch den Kopf gehen. Minuten vergingen und ich sah erst auf, als ich weiches Fell an meinen Beinen spürte. „Guten Morgen Sunny“ flüsterte ich und lehnte mich runter zu meinem Hund und kraulte in hinter seinen flauschigen Ohren.
Ich weiss schon ganz genau, was wir heute Abend machen werden, schoss es mir durch den Kopf und ich lächelte zum ersten Mal seit Tagen.

Von diesem Abend an ging ich mit Sunny jeden Tag eine grosse Runde spazieren und bewunderte die Sterne mit ganz anderen Augen. Einer schien heller als der andere, und trotzdem schenkte mir jeder einen Funken Hoffnung. Von da an wurde mir klar, auch wenn alles schwarz und voller Wolken war, irgendwo ist immer ein bisschen Hoffnung. Vielleicht nicht immer sichtbar, aber trotzdem immer in meinem Herzen.                                        

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