Erschöpft warf ich meinen Rucksack in die Ecke meines Zimmers und schmiss mich dabei fast mit auf den Boden. Das Ding wog locker 5 Kilo mit den ganzen Büchern darin und weil ich mich gerade eher tot als lebendig fühle.
Mit meinem Handy in der Hand legte ich mich auf mein Bett und öffnete WhatsApp. Ich klickte auf den Chat von Luuk und mir. Soll ich oder soll ich nicht? Diese Frage schwebt mir seit Tagen im Kopf. Soll ich ihm schreiben oder nicht? Eine kleine Welle Mut überrollte mich und ich tippte auf den Chat, um ihn zu öffnen. Im Textfeld tippte im kurzerhand meine Nachricht ein.
Ich las sie mir x-Mal durch, um sicher zu gehen, dass keine Schreibfehler vorhanden waren und es auch sonst gut klang. Als das alles in Ordnung war, schwebte mein Finger über dem Absendebalken. Soll ich …, Ich soll. Ich bewegte meinen Finger nach unten, bis er den Bildschirm berührte und hob ihn dann wieder an. Weg war die Nachricht.
Lina
Hey Luuk,
Ich finde dich sehr sympathisch und wollte dich jetzt fragen, ob du vielleicht Lust hättest, mal etwas zusammen zu unternehmen.
LL
Mein Herz setzte einen Schlag aus und ich schaltete sofort mein Handy aus. Ich war so aufgeregt, was er antworten würde.
Trotz der Aufregung war ich noch immer müde und ich entschloss mich etwas auszuruhen und dabei auf TikTok rumzuscrollen. Jedoch schaffte ich es vielleicht 10 Minuten, bevor ich nur kurz die Augen zu machen wollte.
*
Ich hatte keine Ahnung wie lange ich geschlafen hatte. Nur kurz die Augen zu machen, endet eigentlich immer so. Ich richtete mich auf meinem Bett auf und schaute verwirrt durch die Gegend. Mein ziemlich unaufgeräumtes Zimmer wirkte in der leichten Dämmerung romantisch warm. Ich betrachtete mich im Spiegel, der sich direkt vor mir erstreckte und vom Boden fast bis zur Decke langte. Ich sah verschlafen aus. Meine mittellangen, dunklen Locken lagen wirr auf meinem Kopf.
Ich versuchte sie mir etwas anständiger hinzulegen, um etwas menschlicher auszusehen. Dann schnappte ich mir mein Handy und lief in die Küche. Wären dessen sah ich das mir Luuk geantwortet hatte. Voller Vorfreude öffnete ich sie und…
Luuk
Ne Sorry das geht leider nicht, und du bist auch nicht wirklich mein Typ sry
Na super. Ich hatte doch so grosse Hoffnung. Leicht geknickt bog ich in die Küche ein.
«Hallo Lina. War die Schule so anstrengend?» begrüsste mich meine Mutter schmunzelnd
Lachend verdrehte ich die Augen. «Ja natürlich, es ist Schule »
Sie lachte. «Es gibt gleich essen, kannst du den Tisch decken?»
«Ja klar aber…» ich zeigte zum Tisch hinüber, der schon perfekt gedeckt war.
«Oh ja, der ist ja schon gedeckt. »
Die Fragezeichen über meinem Kopf waren mir förmlich anzusehen, lies es aber dabei und setzte mich.
*
Nach dem Essen sass ich in meinem Zimmer vor meinem Spiegel und vertrödelte mir die Zeit mit meinem Handy. So konnte ich wenigstens die Nachricht von Luuk aus meinem Gedächtnis verdrängen, auch wenn nur vorübergehend. Ich war so fokussiert auf mein Handy, das ich komplett vergessen hatte zu blinzeln. Klingt zwar etwas komisch, aber das passiert mir echt oft. Ich merkte es aber erst als ich gerade eine kurze Pause vom Doomscrolling machte. Hastig rieb ich mir die Augen.
Endlich hatte das lästige, brennen aufgehört. Mein Blick blieb bei meinem Spiegelbild genau vor mir hangen. Ich betrachtete es und ich weiss nicht was oder warum, aber ich hatte das Gefühl, irgendetwas stimmte nicht mit meinem gegenüber. Es fühlte sich an, als ob das im Spiegel nicht ich war. Als ob es etwas oder jemand Fremdes war, der so aussah wie ich, aber nicht ich war. was war das bloss? Bilde ich mir das ein oder war wirklich was komisch? Nein ich bilde mir das nur ein. Was sollte den da schon sein. Ich lachte innerlich, um mir selbst meine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen und diese zu überspielen. Ich wollte gerade aufstehen und ich schwüre, ich habe mich im Spiegel blinzeln sehen. Verblüfft starte ich mich im Spiegel an und da, tatsächlich sah ich mich wieder blinzeln. Ich rannte sofort nach vorne zu meiner Mutter. «Mum, ich habe mich im Spiegel blinzeln sehen! Also ich habe selbst nicht geblinzelt aber hab es gesehen, was oder wer ist das?!» fragte ich sie aufgebracht.
«Ach das passiert manchmal, das ist ganz normal.»
Verblüff von ihrer Antwort gehe ich wieder in mein Zimmer zurück und betrachtete erneut den Spiegel. Zunächst wirkte er normal, jedoch veränderte sich dies schnell und dieses fremde Gefühl überkam mich erneut. Ich sah mich erneut im Spiegel blinzeln und das Gesicht meines Spiegelbildes verzog sich zu einem unmenschlichen Grinsen. Die Augen nahmen eine unnatürliche Grösse an und es kam immer näher auf mich zu, bis es aus dem Spiegel hinauskam. Ich stand nur da, verängstigt und beindruckt von dem, was sich vor mir abspielte. Dieses Ding war mir mittlerweile so nah, dass ich seinen Atem hören konnte, und als mein Spiegelbild würde ich es schon lange nicht mehr identifizieren. Es hob seine rechte Hand an und stupste mir damit die Schulter an. Diese Berührung fühlte sich irgendwie echt und vertraut an. Ich öffnete meine Augen und sah meine Katze neben mir die mit ihrer Pfote an genau der stelle mich berührte. Ich grinste und rieb mir die Augen. Es war nur ein Traum. Zum Glück. Ich richtete mich auf und streichelte meiner Katze über den Kopf. Dieses sing war wirklich nicht mehr da. Ein Glücksgefühl überkam mich als ich sah das mir Luuk vor etwa 16 Minuten geschrieben hatte. Aufgeregt öffnete ich die Nachricht und konnte meinen Augen kaum trauen.
Luuk
Hey Lina,
Ich wollte dich tatsächlich auch schon lange anschreiben aber hab mich ehrlicherweise nie getraut. Aber ja ich würde mich unglaublich gerne mal mit dir treffen.
Ja. Er will sich mit mir treffen. Ich konnte mein Glück kaum fassen und sprang vor Freude durch mein ganzes Zimmer und schaute mir den Chat immer und immer wieder an.
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