Mareike lernte in ihrem bisherigen Leben nicht ihre Mimik kontrollieren zu können. Doch sie lernte, dass der Glaube an sich selbst eine der wichtigsten Zutaten im Leben ist.
«Werde ich die Prüfung bestehen?» „Diese Technik ist sehr wichtig Mareike, diese solltest du noch üben, sonst wird das nichts. Dieses Fachwort sollte jetzt einfach schneller kommen, das weißt du, oder?“ Mareike stand mit Ihrer Ausbildnerin in einer dunklen Lagerhalle. Ihr Traum zu einer «guten» Polizistin scheint mehr als gescheitert zu sein. Wie konnte sie nur glauben, dass ihr Plan ohne Gewalt, mehrheitlich mit psychologischen Tricks und kreativen Ideen, das kleine Städtchen in Ordnung zu halten, möglich wäre? Jahrelang hatte sie in einer der weltweit größten Beratungsstellen gearbeitet. Sie wurde Geschäftsführerin, war dadurch oft durch die Welt gereist. Somit hatte sie genau durchschaut, wie die Leute tickten. Sie wurde eine Art Therapeutin oder auch Psychologin, lernte mit verschiedensten Leuten umzugehen und diese zu spiegeln. Doch nun stand die normalerweise, positivgeladene Mareike, mit hängendem Kopf da und schien vergessen zu haben wie das Glauben an sich selbst funktionierte. Der nicht vorhandenen Glauben an sich selbst war ein drastischer Schritt in dem Absturz.
Die Wärme der Sonne kitzelte Mareike. Moment. Die Sonne? Befand sich Mareike nicht in der kahlen, kühlen, alten und moderigen Lagerhalle an der Seite ihrer Ausbildnerin, am verlieren, aller je existierender Hoffnung? Kurz war Mareike verwirrt, doch das schrille Geräusch einer Polizeisirene, holte Mareike zurück ins hier und jetzt.
Im hier und jetzt war Mareike in keinerlei Prüfungsphase mehr. Sie war eine 66-jährige Rentnerin und relaxte in ihrem Garten. Mit einer lässigen Jeans und einem ausgewaschenen T-Shirt mit der Aufschrift: Heute ist besser als Morgen und noch besser als Übermorgen, sprang sie aus dem Gartenstuhl auf. An der Garderobe schnappte sie sich ihre staubige Uniform mit der Aufschrift „Good Cop“., was so viel bedeutet wie: «Gute Polizistin.». Sie schweifte sich diese über, schnappte sich ihr Einrad und raste dem «Alarm» hinterher. Heute ist besser als Morgen, dachte sie vergnügt. Heute werde ich meinen Plan umsetzen. Ohne diese strengen und entmutigenden Ausbildungen.
Schon bald fuhr sie einen Hang herunter und wurde vom Blitzkasten geblitzt. Haha, ihr Einsatzfahrzeug war wohl etwas zu schnell unterwegs, hoppla. Mareike versuchte es mit einem schuldbewussten Blick, doch das Grinsen gewann den Kampf. Da konnte sie nun mal nichts dafür. Ihre Mimik konnte sie in den letzten 66 Jahren ihres Lebens nicht verbergen. Damals in der Schulzeit, als ihr ständig nach Knoblauch, Bohnen und zwiebelriechender Textillehrer vor ihr am Pult stand, konnte sie diese auch nie kontrollieren. Er fragte sie ständig, ob sie in eine Zitrone gebissen hätte. Vielleicht war das Rausstrecken ihrer Zunge, damals eine etwas zu schlimme Unkontrollierbarkeit gewesen und sie wurde vom Textilunterricht dispensiert. Wie schrecklich! Für Viele- Nicht aber für Mareike. Dies war nie ihr Lieblingsfach gewesen. Viel lieber machte sie im Chemieunterricht Experimente ihrer Art und sprengte das einte oder andere Mal ein Gläschen. Einmal setzte sie, bzw. der eine Mitschüler (welcher ihr nicht glauben wollte, dass das Gießen von Alkohol in ein Feuer brandbeschleunigend wirkte), das Klassenzimmer in Vollbrand. Da half auch die alte, ausgefranste Löschdecke nichts mehr. Zum Glück war niemand zu Schaden gekommen. Doch auch hier wurde sie dispensiert, konnte jedoch dank einer guten Argumentation nach ein paar Tagen wieder einsteigen.
Auf einmal machte Mareike eine Vollbremsung. Da war das Polizeiauto, welchem sie gefolgt war, parkiert. Schnell stieg Mareike ab und platzierte ihr geliebtes Einrad an einer Hausmauer. Sie lauschte einer angeheizten Debatte. Sie hörte etwas von „alter Rolls Roys, Oldtimer, Jahrgang 1960 (- Mareikes Jahrgang) – ((schön als Oldtimer dargestellt zu werden;)). Garage und bald“. Das reichte und Mareike wusste haargenau was hier vorging.
Mareike setzte sich ins Gebüsch und ignorierte das Piksen der Dornen an ihrem Hintern. Tatsächlich öffnete sich das Gargentor und das laute Brummen und Krächzen verkündete auch die Art von Auto. Mareike sprang auf und lief gemütlich. Die Autofahrerin hupte wie wild und schien äußerst gestresst zu sein. Da fiel Mareike ganz plötzlich, vor dem Auto auf den Boden. Vor das Auto- welches definitiv ein Rolls Roys ihres Jahrganges war- und die Fahrerin, kurbelte hektisch das Fenster herunter: „Sie alte Dame nun schauen Sie, dass Sie hier wegkommen, ich werde sonst einfach fahren, drei Sekunden haben sie Zeit.“ Gewiss. Mareike stand langsam auf, beugte leicht ihre Knie, das Auto setzte auf Vollgas und Mareike sprang. Schade hatte sie ihre Kamera nicht dabei, diese Diebin machte wohl die beste Schockmimik, welche Mareike je gesehen hatte. Sie versuchte die Fahrerin zum anhalten zu bringen, argumentierte so gut sie konnte. Doch es stellte sich als äusserst schwierig dar. Die Fahrerin schien nicht mal das Auto im Griff zu haben, so ein Slalom wurde gefahren. Dies sagte Mareike auch klar und die Autodiebin meinte nur, sie wolle Sie einfach abschütteln. „Haha so einfach ist das nicht“ lachte Mareike und fügte hinzu, „Wir sind in keinem Actionfilm.“ Als sie noch mehr Tempo darauflegte und Mareike fast abzurutschen oder in die Frontscheibe zu knalle drohte, griff sie in ihre Weste. Da war ihr Notfallhammer, speziell mit einem Spitz aus Metall geformt. Diesen ließ sie mit der bestmöglichen Präzision an einen bestimmten Punkt der Scheibe aufschlagen. Diese fiel in tausende Stücke. Mareike ließ sich hinterher durch die Frontscheibe gleiten und machte eine elegante Drehung, um auf dem Sitz zu landen. Die Landung hingegen war alles andere als elegant und Mareike fühlte eine Scherbe in ihrem Unterschenkel. Muss das sein? Ärgerte sie sich. Irgendwie bekam sie, die vor Schock beinahe gelähmte Frau dazu, den Wagen anzuhalten und sich der Polizei zu stellen. Da war auch schon der Polizist “Meckermund“, wie Mareike ihn nannte. Dieser war ganz verblüfft von Mareikes Aktion. Mareike realisierte auch erst halbwegs, was gerade geschehen war. Sie wurde heute zur fast-guten Polizistin, ein Lebenstraum, welcher nun endlich erfüllt war. Nur die kaputte Fensterscheibe war etwas ungeplant gewesen.
Als Mareike am Abend nach Hause kam: Erstrahlte, das Angebot, welches nun im Wohnzimmer lag- Eine angebotene Stelle als Polizistin, heller als alles andere.
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