"SEI ALLES ABER BITTE NICHT NORMAL!" - Eine Geschichte von Luna Tenud - Young Circle

«SEI ALLES ABER BITTE NICHT NORMAL!» – Eine Geschichte von Luna Tenud

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«SEI ALLES ABER BITTE NICHT NORMAL!» – Eine Geschichte von Luna Tenud

Was, wenn „nicht normal sein“ gar kein Makel ist, sondern der Schlüssel zu dem, was dich wirklich ausmacht? One wächst mit dem Gefühl auf, nie dazuzugehören – bis ein mysteriöses Buch in einer versteckten Bibliothek ihr eine Botschaft hinterlässt: „Finde mich!“ Die Suche führt sie nicht nur zu einem Seelenverwandten, sondern auch zu der Erkenntnis, dass Anderssein manchmal genau das ist, was uns vollständig macht.

Ständig hat jeder diese Erwartungshaltung an dich. Dieses sei doch einfach normal. Zumindest mir ging es so. Nie war ich normal genug. Ich war immer zu anders. Nicht so, wie es den anderen passt. Halt einfach ich. Aber das ist ja eben das Problem. Alle wollen dir sagen, was gut für dich ist. Ich hasse dieses Gefühl, denn es katapultiert mich in eine Welt, in der ich ganz alleine mit meinen Gedanken bin. Es fühlt sich an, als wäre ich gefangen in einem Netz. Ein Netz, das sich um mein Herz schlingt und mir für einen Moment dieses Gefühl der unglaublichen Leere gibt. In dieser Geschichte geht es darum, wie ich Verbundenheit in meiner Leere gefunden habe, um dir klarzumachen: Sei alles, aber bitte nicht normal.

Ich bin One, braune lange Haare, smaragdgrüne Augen und Sommersprossen, mehr als Sterne am Himmel. Die ach so perfekte Familie aus einem kleinen, regnerischen Dorf in England hat mich adoptiert. Ich denke, als sie mich sahen, dachten sie, ich sei genauso wie ihr Bilderbuchkind. Süss, brav, nett, anständig, still und vor allem normal. Aber nein, das bin ich definitiv nicht. Ich bin anders und das liebe ich, aber der Weg dahin, das Glück zu finden, das ich in mir trage, war lang.

Als Kind hatte ich nie viele Freunde und wurde immer ausgeschlossen. Ich wurde nie dafür anerkannt, was ich konnte, auch wenn ich die Beste darin war. Immer und immer wieder hörte ich den Kommentar: Du bist nicht normal, was ist falsch mit dir? Je älter ich wurde, desto öfter hörte ich dies. Ich tat alles, um dazuzugehören. Aber meine Gabe hinderte mich daran. Denn ich konnte die Gedanken meines Gegenübers lesen.

Dann kam der Punkt in meinem Leben, der alles änderte: Aus grossem Frust, vom Hören, ich sei zu anders, rannte ich weinend in die alte Bibliothek auf dem Marktplatz. Eine Tür stand offen, diese hatte ich bis dahin nie bemerkt. Der Anblick des Ungewissen war zu verlockend, um mich zurückzuhalten, die Steintreppe hinunter in einen Keller zu steigen.

Der Keller war gefühlt mit Büchern, die mir zu vor noch nie in der Bibliothek aufgefallen sind und ich war nicht selten da. Eines dieser Bücher zog mich förmlich an. Es war klein, dünn und am wichtigsten es war smaragdgrün. Der Titel des Buches : Du bist alles aber nicht normal!

Als ich eine Stimme hörte packte ich das Buch und rannte die Treppen hoch. Ich rannte weiter bis ich in meinem Zimmer, im doch so perfekten Einfamilienhaus ankam. Über eine Stunde sass ich still da und betrachtet das Cover. Als ich endlich den Mut fasste die erste Seite umzublättern, spührte ich das Funkeln meiner Augen beim Betrachten des Textes. „Finde mich!“

Für dich mag diese Botschaft wohl völlig leer und banal erscheinen und viel zu wenig Information enthalten, aber das liegt auch bestimmt daran, dass das Buch dafür bestimmt war, dass ich es fand. Denn ich wusste in derselben Sekunde, wonach ich suchte, nämlich nach meinem Seelenverwandten! Noch nie zuvor habe ich an so jemand gedacht. Nur war da ein Problem: Ich hatte keine Ahnung, wo ich mit meiner Suche beginnen sollte.

Dieses «Finde mich!» brannte mehrere Tage im Zentrum meiner Aufmerksamkeit, die ganze Zeit, sei es in der Schule, im Sportunterricht oder während des Familienessens. Es war unmöglich, das Verlangen, ihn zu finden, zu stoppen. Ich kehrte immer und immer wieder in die Bibliothek zurück, doch die Tür, die hinunter in den Keller führte, war spurlos verschwunden. Als ich an einem Morgen erneut in der Bibliothek stand, dieses Mal mit dem Buch in meiner Tasche, kam das komische Gefühl in mir hoch, nach dem Buch zu greifen. Auf all den leeren Seiten war ein neuer Schriftzug: „Ich bin da, wo du mich am wenigsten erwartest!“

Langsam ging es mir echt auf die Nerven. Ich wollte ihn ja mehr als alles andere in dieser Welt finden, aber mit den miesen Tipps, die er mir gab, half er mir nicht gerade weiter.

Nach mehr als einem Monat, in dem ich wirklich überall nach ihm gesucht hatte, öffnete ich während einer Präsentation in der Schule, in der mich wirklich alle gedanklich verspottet hatten, wie ferngesteuert das Buch, und tatsächlich kam ein neuer Hinweis: „Mit geschlossenen Augen wirst du sehen!“ Auf der Stelle schloss ich meine Augen. Nun hörte ich die anderen unzählige Male sagen: „Die ist doch nicht normal!“, „Was ist das für Eine?!“ etc. Ich fühlte, wie mir eine Träne aus den Augen kullerte, und im selben Moment fiel ich in eine Art Trance. Nun hörte ich ihn: «Ich bin da, ich bin stets an deiner Seite. Um mich zu erreichen, tu das, was du schon immer tun wolltest, von dem alle denken, du seist verrückt. Denn ich bin wie du, einfach nicht normal, das ist perfekt!»

Als ich aufwachte, lag ich in der Krankenstation. Ohne nur eine einzige Sekunde zu warten, stand ich auf und lief los. Denn inzwischen wusste ich genau, was ich zu tun hatte: Ich musste das tun, was ich schon immer wollte, nämlich meinen Ursprung finden, und der war weit weg. Ich wusste, nach langem Nachhaken in den Gedanken meiner Adoptiveltern auch wo.

Jetzt bin ich nach mehreren Monaten endlich hier angekommen und schreibe diesen Text nur an dich gerichtet, weil genau du dazu bestimmt bist, das zu lesen. Tu, was du willst, egal was alle anderen über dich denken. Sei einzigartig und überrasche alle mit deiner wunderbaren, eigenen, anderen Art.


PS: Ich bin nun in einem Dorf in den Bergen von Indien. Mit dem Menschen den ich gesucht habe. Er lacht mich nun Tag für Tag mit seinen smaragdgrünen Augen an. Mein Bruder. MEIN SEELENVERWANDTER!


                                     

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