Es ist gerade mal 6:00 Uhr morgens, als mein Wecker klingelt. Ich hasse Montage, sie beginnen viel zu früh und gehen viel zu lange. Bis um 17:00 Uhr Schule zu haben, ist schon schlimm genug, doch dann auch noch eine Doppelstunde Mathe, das ist eine Frechheit. Doch zum Glück werde ich dieses Jahr mit der Schule fertig.
Widerwillig stehe ich auf und gehe ans Fenster. Ich schiebe den Vorhang etwas beiseite und schaue hinaus. Drüben auf dem Nachbargrundstück hält gerade ein Umzugswagen. Ich hätte nicht gedacht, dass das Haus so schnell wieder bewohnt ist, schließlich sind unsere alten Nachbarn erst vor zweieinhalb Wochen ausgezogen. Aus dem Auto steigen nun eine Frau und ein Junge, der wahrscheinlich etwa in meinem Alter ist. Der Junge sieht nicht schlecht aus. Er ist ziemlich groß und braungebrannt. Seine Haare sind dunkelbraun und etwas lockig. Er ist gerade dabei, ein paar Kisten von dem Umzugswagen zum Haus zu schleppen, als er plötzlich zu mir hochschaut. Er sieht mich, zwinkert mir zu und geht schließlich ins Haus hinein. Oh nein, wie peinlich! Nicht nur, dass ich ihn beobachtet habe, sondern auch wie ich aussehe. Meine Haare sind zerzaust, ich sehe aus wie ein Panda, weil ich gestern zu faul war, mich abzuschminken und mein Pyjama ist auch nicht gerade sehr stylisch. Schnell ziehe ich den Vorhang wieder zu.
Danach ziehe ich mich erst einmal an und mache meine Haare und mein Make-up. Als ich auf die Uhr sehe, ist es schon 6:30 Uhr. Ich mache mir schnell noch etwas zum Frühstück und verlasse zwanzig Minuten später das Haus. Der Umzugswagen von unseren Nachbarn ist schon wieder weggefahren, doch die Einfahrt steht noch immer voll mit Umzugskartons. Ich bin schon fast an dem Haus vorbeigelaufen, als ich hinter mir eine Stimme höre, «Hallo Frau Nachbarin.» Widerwillig drehe ich mich um und stehe nun dem süßen Jungen von eben gegenüber. Dieser mustert mich aufmerksam und lächelt mich dann an. Sein Lächeln ist ja so süß! Ich merke, wie es anfängt, in meinem Bauch zu kribbeln. «Hallo Herr Nachbar», antworte ich etwas verlegen. «Das muss dir nicht peinlich sein, ich wurde schon öfters gestalkt», sein Lächeln verändert sich zu einem frechen Grinsen. «Gestalkt?! Ich habe dich nicht gestalkt, ich habe nur äh… ich habe mich nur gewundert wer neben uns einzieht.» Auf einmal fängt er an laut loszulachen, «Beruhig dich das war nur ein Witz.» Etwas beleidigt sehe ich ihn an, doch dann kann ich mir ein Lachen auch nicht mehr verkneifen. «Darf ich wissen, wie meine Stalkerin heisst?» «Ha. Ha. sehr witzig, ich heiße Sophie und wie heißt du?» «Ein schöner Name, ich heiße Noah.» «Das ist auch ein sehr schöner Name.» Er sagt darauf nichts mehr und es breitet sich eine etwas unangenehme Stille aus. Als sich unsere Blicke treffen, bekomme ich Schmetterlinge in meinem Bauch und meine Knie werden etwas weich. Was ist nur mit mir los? Er holt gerade Luft, um noch etwas zu sagen, als ich die Schulklingel aus der Ferne höre, «Oh verdammt ich muss los, tut mir leid.» «Äh ja klar kein Problem, wir sehen uns.» Schnell renne ich los. Zum Glück wohne ich nicht allzu weit entfernt von der Schule und bin gerade noch rechtzeitig an meinem Platz, als es zum zweiten Mal klingelt. «Guten Morgen miteinander», begrüßt uns unsere Lehrerin, «Bevor wir mit dem Unterricht starten, habe ich euch noch etwas mitzuteilen, ab morgen werdet ihr einen Neuen Schüler in der Klasse haben, sein Name ist Noah. Bitte nehmt ihn freundlich in eurer Klasse auf. So und nun starten wir mit dem Unterricht, schlagt bitte euer Buch auf Seite 43 auf.» Ich habe Mühe mich auf den Unterricht zu konzentrieren, da ich die ganze Zeit über die Begegnung mit Noah nachdenke und nun kommt er auch noch in unsere Klasse. Ich ertappe mich dabei, wie ich bei dem Gedanken an ihn anfange zu lächeln. Habe ich mich etwa in ihn verliebt?
Der heutige Schultag kommt mir viel länger vor als sonst und ich bin extrem froh, als ich endlich auf dem Heimweg bin. Als ich an Noahs Haus vorbeilaufe, sehe ich, wie er am Fenster steht und zu mir runter sieht. Er macht das Fenster auf und ruft zu mir herunter, «Hallo Stalkerin.» «Im Moment bist du wohl mehr der Stalker», antworte ich und muss dabei lachen. «Okay ich gebe es zu, ich habe darauf gewartet, dass meine wunderschöne Nachbarin nach Hause kommt», sagt er und lächelt dabei wieder so unwiderstehlich. Ich merke, wie ich rot werde, «Wunderschön? Da übertreibst du wohl ein bisschen», versuche ich so locker wie möglich zu antworten. «Das finde ich nicht», antwortet er grinsend. «Naja du kannst mich ja morgen in der Schule weiter wunderschön finden, aber dafür brauche ich jetzt meinen Schönheitsschlaf. Wir sehen uns morgen Mr. Stalker.» «Bis dann Ms. Stalkerin.»
Mein Wecker klingelt wieder um 6:00 Uhr, doch heute bin ich erstaunlich schnell wach. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit Noah verabredet habe, um gemeinsam zur Schule zu gehen. Wir kommen genau aufs Klingeln in der Schule an und ich setze mich an meinen Platz. Noah muss sich vor der Klasse kurz vorstellen und sieht dabei die ganze Zeit zu mir. «Vielen Dank Noah, du kannst dich nun gerne neben Sophie setzen.» Vielleicht bilde ich mir das ein, doch als er meinen Namen hört, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Er setzt sich neben mich und unsere Lehrerin beginnt den Unterricht. In der zweiten Stunde schiebt Noah mir einen Zettel rüber. Ich öffne ihn und fange an zu strahlen, auf dem Zettel steht: Gehst du mit mir auf ein Date? Ja, Nein, Vielleicht. Er mag mich also auch? Er sieht mich schüchtern an und wartet auf meine Antwort. Ich kreuze natürlich Ja an. Als er das sieht, beginnt er zu lächeln. Er beugt sich zu mir nach unten und flüstert mir etwas ins Ohr, «Ich glaube das war Liebe auf den ersten Blick.»
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