"Krieger des Lichts" - Eine Geschichte von Vanessa Appenzeller - Young Circle

«Krieger des Lichts» – Eine Geschichte von Vanessa Appenzeller

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«Krieger des Lichts» – Eine Geschichte von Vanessa Appenzeller

Wenn die Dunkelheit an deine Tür klopft, bleibt nur eine Entscheidung: fliehen oder kämpfen. In einer Welt, in der Schatten von Angst leben, wird eine junge Frau zur letzten Hoffnung. Eine düstere Fantasygeschichte über Mut, Furcht und das Licht in uns.

Fasziniert beobachtete ich die kleine Flamme, wie sie in der Dunkelheit tänzelte und diese mit ihrem warmen Schein vertrieb. Ich kuschelte mich tiefer in meine Bettdecke und nahm die Kälte, die sich um mich herum in meinem Zimmer ausbreitete, gar nicht mehr wahr. 

Die Kerze vor mir und ihr warmes Licht beruhigte mich und ich fühlte mich geborgen. So sehr, dass ich das mulmige Gefühl, welches sich langsam in mir breit machte, ausblendete. Viel lieber beobachtete ich die flinke Flamme, wie sie am Kerzendocht züngelte und das weisse Wachs ganz langsam dahinschmelzen liess. 

Doch plötzlich erlosch sie und schlagartig verschlang die Dunkelheit alles in diesem Raum.

Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinab und meine Nackenhaare stellten sich auf. Zittrig zog ich die Decke weiter über mich, als sich eine unangenehme, stechende Kälte ausbreitete. Sofort hielt ich den Atem an und versuchte das Beben in meinen Gliedern zu unterdrücken. Rasch suchte ich mit meinem Blick die Dunkelheit nach dem Messer ab, das ich als Kind von meinen Eltern bekommen hatte. 

Sie hatten mich auf solche Situationen vorbereitet und ich wusste, was mich vermutlich gleich erwarten würde. Aber das machte es nicht weniger schrecklich und ich zuckte erschrocken zusammen, als meine Zimmertür aufgestossen wurde. Sie knallte laut gegen die Wand und ich starrte mit vor Schreck geweiteten Augen zu der Gestalt, die geräuschlos in mein Zimmer schlich. 

Schwarze, dunkle Schatten waberten um die verschwommene Masse ihres Körpers und ein unheimliches, düsteres Schimmern umrahmte das Geschöpf.

Ich hatte solche Wesen zuvor schon gesehen. Seit sie in unserer Welt aufgetaucht waren, die Menschen mit Angst und Schrecken heimsuchten und sie verschlangen, lauerten sie an allen Ecken. Dörfer und Städte waren beinahe ausgelöscht worden und trotzdem schienen diese Schatten immer mehr zu wollen und uns alle bis auf den letzten Menschen zu jagen.

Ein leises Hecheln riss mich aus meinen Gedanken und ich blickte wieder zu der Kreatur. Es kam mir vor, als würde die Dunkelheit noch schwärzer werden und alles in mir verkrampfte sich vor nackter Angst. Fast panisch tastete ich mein Bett nach dem Griff des Messers ab. Doch ich konnte ihn nicht finden und spürte förmlich, wie meine Hoffnung in sich zusammensank. 

Denn das Wesen kam jetzt langsam auf mich zu, näherte sich mit einem leisen Röcheln und trieb mich weiter in die Enge. Tränen sammelten sich in meinen Augen und erneut tastete ich alles um mich herum ab. 

Wieso hatte ich das Messer nicht neben mir abgelegt? Ich hatte doch gelernt, es immer dicht bei mir zu tragen, um mich in einer Situation wie dieser retten zu können. Meine Eltern hatten mir das jahrelang eingetrichtert, immer und immer wieder.

Und doch sass ich jetzt hier und blickte meinem düsteren Ende entgegen. 

Die Kälte des Wesens schien alles zu verschlingen und ich schlotterte mittlerweile völlig unkontrolliert. Es kam immer näher und näher. 

Ich versuchte weiter zurückzuweichen, stiess mit dem Rücken allerdings gegen die Wand und kauerte mich zusammen. Mein Herz pochte wie wild und Adrenalin wurde durch meine Adern gepumpt, doch das alles half nichts. Ohne meine Klinge würde ich in wenigen Augenblicken von diesem Schatten verschlungen werden und mich auch in eines dieser Wesen verwandeln. 

Ein letztes Mal tastete ich vor mir das Bett ab und spürte dann plötzlich den warmen Holzgriff. Ich atmete auf, umklammerte ihn und zog das Messer an mich heran. Als ich den Kopf hob, war das Geschöpf plötzlich dicht vor mir. Dann bewegte es sich zurück, holte aus und setzte zum letzten Sprung an. Ich konnte nur noch schützend die Arme über den Kopf heben und kniff die Augen zusammen, als es mit einem fürchterlichen Gurgeln auf mich zusprang und mich zu verschlingen drohte.

Doch noch bevor es mich berührte, stiess es ein grelles Kreischen aus. Ich hob den Blick und sah, wie die Klinge den düsteren Schatten auflöste. Wie das Wesen in der nächsten Sekunde zu schwarzem Sand zerfiel und schwer auf mich herab rieselte.

Erschrocken und noch immer voller Panik hob und senkte sich meine Brust. Mit geweiteten Augen sah ich zu, wie unter dem Sand eine kleine, violette Kugel zum Vorschein kam und wie sie sich dann langsam golden verfärbte. 

Feine, glühende Linien strömten aus ihr heraus und verfestigten sich um den Lichtball herum. Es bildete sich die Erscheinung eines Menschen und das sanfte Schimmern vertrieb die eben noch herrschende Dunkelheit aus dem Raum. 

Die Person richtete ihren Blick auf mich, neigte dankend den Kopf und verbeugte sich vor mir. Dann verblasste ihr goldenes Licht langsam, bis es verschwand und mich schliesslich wieder in der Dunkelheit zurückliess.

Mein Blick fiel auf das Messer in meinen Händen, auf den verzierten, gravierten Holzgriff und die transparente Klinge, die ebenfalls in einem sanften Gold schimmerte. Das zarte Leuchten schien zu pulsieren und ich fühlte, wie ein Teil der Anspannung langsam aus meinem Körper wich und lediglich ein dumpfes Gefühl hinterliess. 

Wie in Trance griff ich nach der Kerze, hielt die glühende Klinge an den erloschenen Docht und sah zu, wie eine kleine Flamme zum Leben erwachte. Doch sie konnte die Kälte in meinem Inneren nicht vertreiben. 

Noch immer zitterte ich vor Angst, auch wenn die unmittelbare Gefahr vorüber war. Doch ich wusste, dass das noch lange nicht die letzte Kreatur gewesen war, der ich begegnen würde. 


Niemand wusste, woher sie kamen, doch sie labten sich an uns Menschen und vermehrten sich durch unsere Angst. Es nahm kein Ende und sie würden weitermachen, bis sie jegliche Freude und Hoffnung verschlungen hatten. 

In mir setzte sich ein Gedanke fest und ich richtete mich auf. Mein Blick wanderte über die magische Waffe in meiner Hand und ich fühlte das Pulsieren ihrer Macht. Wie sie funktionierte, wusste ich nicht. Doch sie war das Einzige, was diese Schattenwesen aufhalten konnte.

Ich würde nicht einfach aufgeben. Ich würde einen Weg suchen, diese Dunkelheit aus der Welt zu vertreiben und dafür sorgen, dass sie nicht mehr zurückkommen würde. Ganz egal wie viel Zeit es mich kosten würde. 


Ich würde kämpfen.
Als Krieger des Lichts.

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