Ich schloss meine Augen, nahm einen tiefen Atemzug und tauchte unter. Das warme Gefühl, das mich umgab, liess mich für einen Moment an allem zweifeln. Die Wärme lag wie eine zweite Haut an mir, eng und erdrückend, aber doch geborgen und sicher, sicherer als mein Zuhause. Ein Zuhause, in dem laute Stimmen häufiger zu Gast waren als stille Geborgenheit.
Das dumpfe Wasser um mich herum liess mich nichts hören. Für einen Augenblick fühlte es sich fast wie Frieden an. Aber nur fast. Denn es konnte kein Frieden sein, solange ich noch immer hier war, gefangen im eigenen Zuhause, gefangen in mir selbst.
Als mir der Atem ausging, tauchte ich wieder auf und schnappte nach Luft. Die Luft strömte in meine Lungen, füllte sie mit Leben, während sich mein Brustkorb hastig hob und senkte. Ich sank wieder bis zum Hals ins Wasser, lehnte meinen Kopf gegen die kalte Wannenwand und lauschte nur meinem hektischen Atem.
Doch selbst in dieser Stille war ich nicht allein.
Der Spiegel wartete.
Ein böser Begleiter, der mir harte und verletzende Worte ins Ohr flüsterte. Wenn ich hineinsah, erinnerten mich seine Augen an jemanden, den ich lieber vergessen würde – Augen, die meinen so ähnlich waren. Mein Herz zog sich zusammen, und ich musste den Blick abwenden.
Wen sehe ich dort eigentlich?
Ihn oder mich?
Und dann war da noch mein Schatten.
Mein dunkler, treuer Begleiter. Immer an meiner Seite, als wollte er mein Freund sein – oder vielleicht meine grösste Angst. Er erscheint nur, wenn Licht da ist, doch es fühlt sich immer nach Dunkelheit an.
Im Wasser schloss ich wieder die Augen. Für einen Moment hoffte ich, dass weder Spiegel noch Schatten mich dort erreichen könnten. Doch tief in mir wusste ich, egal wie tief ich tauche, sie warten immer, bis ich wieder auftauche.
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