"Ich vergesse dich nicht!" - Eine Geschichte von Fiona Amira Holenstein - Young Circle

«Ich vergesse dich nicht!» – Eine Geschichte von Fiona Amira Holenstein

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«Ich vergesse dich nicht!» – Eine Geschichte von Fiona Amira Holenstein

Ein Fluch raubt Prinz Amadeo alles: seinen Titel, sein Zuhause und die Erinnerungen der Menschen an ihn. Nur seine Liebe zu Prinzessin Maliah bleibt – auch wenn sie ihn jeden Tag wieder vergisst. Eine märchenhafte Geschichte über Hoffnung, Geduld und eine Liebe, die stärker ist als jeder Fluch.

Eine alte Frau trat aus dunkeln Büschen auf eine Lichtung, auf welcher Prinz Amadeo stand und in die Sterne hinaufblickte. «Wunderschön oder nicht?» sprach die alte Frau ruhig.

Prinz Amadeo fuhr herum. Er zog sein Schwert und hielt es auf die Frau zu. «Wer seid Ihr?» zischt der Prinz. Die Alte Frau lachte. «Ich? Ich bin ein niemand. Genauso wie Ihr eure Hoheit.» «Da irrt Ihr euch ich bin ein Prinz.» antwortete der Prinz. «Nun jetzt nicht mehr!» rief die alte Frau und zog einen Stab aus ihrem Umhang hervor.

«Von nun an wird sich niemand mehr länger als von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang an dich erinnern. Ich nehme dir alles, was dein Vater mir einst genommen hat.» Dunkle Schwaden kamen aus ihrem Stab und Prinz Amadeo beschloss sich aus dem Staub zu machen. Lange hörte er noch das boshafte Lachen der Hexe hinter sich.

Morgens erwachte Amadeo mit einer böser Überraschung den, als er seinen Diener zu sich ruft, rief dieser die Palastwachen. Der Prinz wurde hochkant aus dem Palast herausgeworfen. Niemand erkannte ihn als der Prinz der er einst war.

❀ ❀ ❀

«Du bist neu hier.» sagt Maliah als sie gegenüber von dem Gärtner, welche gerade eine Hecke schnitt, in die Hocke ging und begann das Unkraut auszureisen. «Ja Prinzessin.» antwortete der Gärtner mit einem Nicken.

«Wie heisst ihr?» «Amadeo.» Maliah überlegte, der Gärtner kam ihr sehr bekannt vor und doch wusste sie das sie ihn noch nie gesehen hatte.

«Nun Amadeo wie kommt es das du hier arbeitest?» «Hier fällt es nicht auf ob einer mehr oder weniger arbeitet.» Was für eine seltsame Antwort dachte sich Maliah und stand auf den ihre Hofdame rief nach ihr. Es war Zeit für den Nachmittags-Tee. Was sie nicht sah, war, wie Amadeo ihr voller Sehnsucht ihr nachsah.

❀ ❀ ❀

Von weitem sah Amadeo die Prinzessin in den Garten kommen. Ihr lockiges Blondes Haar wehte ihm Wind und ihre scharfen Grünen Augen fokussierten sich auf ihn in dem Moment, als sie den Garten betrat.

Vielleicht erkennt sie mich ja heute dachte er, doch er schob diesen Gedanken schnell wieder zur Seite. Sie würde ihn nicht erkennen. So wie die letzten 619 Tage. Er konnte die Hoffnung nicht aufgeben ohne diese Hoffnung würde er es keinen Tag länger mehr auf dieser Erde aushalten.

Als er Maliah das erste Mal gesehen hatte, hatte er sich gefühlt, als hätte ihm jemand den Boden unter den Füssen wegezogen. Ihre wunderschönen Haare, welche meist elegant an ihrem Rücken hinunterfallen. An manchen Tagen waren sie hochgesteckt.

Am liebsten hätte er ihre Haare nur einmal kurz berührt. Er konnte wetten, dass sie sich wie Seide anfühlten und durch seine Hand gleiten würden wie Wasser. An Tagen, an welchen es ein wenig windig war, konnte er den saften Geruch ihrer Haare ein paar Meter weiter riechen und wann immer sie sich neben ihn hinkniete, um ihm bei der Gartenarbeit zu helfen musste er sich stark beherrschen, um nicht an ihren Honig Haaren zu riechen.

Dann waren da noch ihre Augen. Ihre grünen Augen, die aussahen wie das saftigste Grass welches er je wachsen könnte. Diese grünen Augen würde er gerne als letztes sehen, bevor er einschläft und als erstes, wenn er aufwacht.

Amadeo träumte von diesen Augen, sie verfolgten ihn in die tiefen seiner Träume und widerspiegelten sich auf den Rasen, den er pflegte, denn er achtete immer darauf das der Rasen gesund und voller Leben waren genau so wie ihre Augen.

An einigen Tagen hatte Amadeo das Gefühl von wiedererkennen in ihren Augen zu sehen. Doch dieser Gedanke starb sofort, als sie ihn fragte, ob er neu hier arbeitete oder was sein Name sei.

Die Prinzessin kam immer an jedem Tag egal bei welchem Wetter und so auch heute in strömendem Regen von Kopf bis Fuss durchnässt und lachend kam sie auf ihn zu. «Guten Morgen Gärtner» ruft sie über die Geräusche des Regens.

Amadeo hielt inne, der Regen tropfte von seinen Haaren in seine Augen. «Guten Morgen, Prinzessin Maliah» sagte er leise und verbeugte sich leicht. Sie trat zu ihm, die Hände auf die Hüften gestemmt. „Bist du neu hier?“ „Nein, Eure Hoheit“, antwortete er und schüttelte den Kopf. «Komisch ich habe dich noch nie gesehen.» äusserte Maliah.

Amadeo atmete tief durch, er konnte nicht mehr. Keinen Tag länger wollte er mehr ohne Maliah verbringen. «Maliah… ich… ich kann nicht mehr jeden Tag von dir vergessen werden. Bitte, sieh mich an und erinnere dich an mich.» Maliah blinzelte überrascht. «An dich? Aber… ich kenne dich nicht. Ich sehe dich heute zum ersten Mal.» «Nein» flüsterte er. «Wir sehen uns jeden Tag seit 619 Tagen und doch kannst du dich nicht an mich erinnern wegen meinem Fluch.»

Er trat näher, nahm ihre Hände und küsste sie. Sanft, verzweifelt und der Regen prasselte weiter auf sie nieder. Es geschah nichts. Amadeos Welt stand still er wollte nie mehr einen Tag verbringen ohne Maliah zu küssen und sie mit Küssen zu überhäufen. Maliah trennte sich schlussendlich von ihm. Sie war sichtlich verwirrt. «Es tut mir leid Gärtner aber das gehört sich nicht.» mit diesen Worten rannte sie aus dem Garten und Amadeos Welt brach erneut zusammen.

In dieser Nacht warf sich Amadeo hin und her. Er musste hier weg, denn er konnte nicht länger in der Gegenwart von Maliah sein, ohne seine Erinnerungen mit ihr teilen zu können. Er würde weit weg gehen, wo er vielleicht in einem anderen Palast Arbeit finden würde. Wo er nicht mehr das blonde Haar und die Grünen Augen Tag zu Tag sehen musste.  Als er sich an diesem Morgen auf den Weg in den Garten machte, wartete bereits jemand auf ihn.

Maliah sass auf einer Schaukel mit dem Rücken zu ihm und ihre Blonden Haare schienen im aufgehenden Licht der Sonne. Amadeo wollte sich gerade umdrehen und davon gehen als er auf einen Zweig stand und Maliah aufschreckte. Maliah schreckte auf und schoss zu ihm herum. Sie eilte auf ihn zu und packte ihn.

«Amadeo, ich erinnere mich!»
                                     

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