"Ich chek mis läbe nüm" - Eine Geschichte von Sophie Arni - Young Circle

«Ich chek mis läbe nüm» – Eine Geschichte von Sophie Arni

Member Stories 2026

«Ich chek mis läbe nüm» – Eine Geschichte von Sophie Arni

„Ich chek mis Läbe nüm.“ Früher war dieser Satz ein Witz zwischen Geschwistern, ein Spruch, der jede Situation auflockerte. Doch mit der Zeit bekommt er eine andere Bedeutung. Zwischen Klimakrise, Kriegen, technologischer Abhängigkeit und einer Welt, die sich immer schneller verändert, wird aus einem lustigen Spruch eine ehrliche Frage: Verstehen wir eigentlich noch, was gerade mit unserer Welt passiert?

Ein Satz welcher meine Schwester früher immer gesagt hat

Währenddessen hat sie die Hände ausgestreckt und den Kopf geschüttelt.

Wir haben immer über sie gelacht.

Und den Spruch zu ihrem Spruch gemacht.

Der Spruch wurde zu einem Spruch, der die Stimmung lockerte.

Uns aufmunterte.

Der jede unangenehme Situation zu einer angenehmen machte

Traurige Tränen zu Lachtränen umwandelte

Er hat es sogar in ein Fotoalbum von uns geschafft

Und man muss schon sagen, dies ist ein grosses Privileg.

Doch auch meine Schwester wurde älter

Und irgendwie dieser Satz auch.

Ich chek mis läbe nüm

Wenn ich diesen Satz jetzt höre, klingt er für mich ganz anders.

Er bringt mich nicht mehr zum Lachen.

Nein eher im Gegenteil.

Wenn ich diesen Satz jetzt denke

Und in die Welt blicke.

Fühle ich Ahnungslosigkeit wie meine Schwester damals

Nur das es bei mir nicht lustig ist.

Wenn ich jetzt in die Welt schaue, und die schmelzenden Gletscher sehe.

Spüre ich Wut, und Trauer.

Wenn ich sehe, wie die Tiere, die doch zuerst hier waren, langsam aussterben.

Dann verstehe ich wirklich nichts mehr.

Ich verstehe nicht wieso wir es nicht schaffen die Katastrophe zu stoppen.

Ich frage mich, ob es Menschen gibt, die das alles nicht bemerken.

Oder ob sie es einfach absichtlich ignorieren.

Ich tippe eher auf zweiteres.

Und das macht mich noch wütender.

Denn das zeigt mir wie naiv wir Menschen sind.

Wie wir sofort die Augen schliessen, wenn es schwierig wird.

Doch dafür ist es jetzt zu spät

Wir stecken schon zu tief im Schlamassel

Ich chek mis läbe nüm

Nicht wenn ich in die Welt blicke

Überall sehe ich Krieg und schmerz

Uns wird doch immer gesagt das man aus Fehlern lernt

Doch das trifft nicht auf die Menschheit zu

Nicht mehr

Das habe ich letztens in Geschichte gemerkt

Wir haben einen Film über den ersten Weltkrieg geschaut

Im Westen nichts neues

Menschen wurden wie Spielfiguren für Krieg eingesetzt

Sie starben haufenweise

Vielen Menschen wurde die Zukunft genommen

Anderen die Familie zerstört

Die Welt schien kaputt zu sein

Doch offensichtlich war es noch nicht genug

Denn 19 Jahre später schaffte es wieder jemand

Und die Menschheit war kein Stück weiter

Dieses Mal war es noch schlimmer

Menschen wurden aufgrund ihrer Religion getötet

Ganze 60 Millionen Menschen verloren ihr leben

Doch wenn ihr jetzt denkt das dies genug war liegt ihr gewaltig falsch

Es wurde aufgerüstet und ein Schuss hätte uns alle getötet

Vielleicht wäre das besser gewesen

Die Erde hätte sich irgendwann erholt

Und langsam wäre wieder leben in sie gekommen

Doch einmal im Leben waren die Menschen vernünftig

Und auf den ersten Blick sah die Welt friedlich aus

Doch nicht wenn man genauer hinsieht

Nein bis heute nicht

Denn sonst würde es nicht so viele Flüchtlinge geben

Sie kommen von überall und der Platz wird immer kleiner

Ich check mis läbe nüm

Nicht wenn ich uns anschaue

Wenn ich sehe, wie wenig wir noch selbst machen

Warum denn auch wenn KI alles für mich macht

Ich kann mir eine Präsentation schreiben lassen

Meinen Tag planen lassen

Ja, sogar dieser Text könnte von KI sein

Doch da kann ich sie beruhigen

Diese Worte sind von mir

Und trotzdem arbeite auch ich mit KI

Weil es doch viel einfacher ist

Weil man eine Frage stellt und direkt die Antwort findet

Man muss nicht ganz Google durchsuchen

Nicht in der Bibliothek nach dem richtigen Buch schauen

Und trotzdem werden wir dadurch nicht schlauer

Nein, Eher dümmer und fauler

Ich frage mich wie die Zukunft aussehen wird

Vielleicht haben wir dann keine Lehrer mehr

Sondern vor uns steht ein Roboter

Irgendwann müssen wir vielleicht nicht mehr selbst Autofahren

Das Auto wird es irgendwann selbst können

Doch ich will nicht daran glauben

Vielleicht wird das Internet irgendwann kaputt gehen

Und dann müssten wir wieder wie in der Steinzeit leben

Es würde uns sicher mal guttun

Denn dann würden wir vielleicht merken, wie schlimm wir gelebt haben

Doch ich denke da müsste sehr viel passieren

Damit das Internet kaputt geht

Damit wir merken, wie wir leben

Denn es kann nicht gut für uns sein

Immer unser Handy um uns herum

Manchmal ganze Tage ohne frische Luft

Es macht mich traurig, wenn ich heute Kinder anschaue

Im Bus am Handy

Wenn ich im Bus sass, war es für mich ein highlight

Ich habe die anderen Menschen angesprochen

Mit ihnen über alles geredet

Und ich liebte es

Doch wenn ich das jetzt machen würde

Würde ich komische Blicke ernten

Denn ich gehöre zur heutigen Jugend

Und die sind doch alle gleich

Ich check mis läbe nüm

Nei würcklich nid


                                     

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