"Freundschaft zwischen Klein und Gross" - Eine Geschichte von Amélie Luginbühl - Young Circle

«Freundschaft zwischen Klein und Gross» – Eine Geschichte von Amélie Luginbühl

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«Freundschaft zwischen Klein und Gross» – Eine Geschichte von Amélie Luginbühl

Milli Maus freut sich auf das besondere Tiercamp, bei dem Tiere aus aller Welt zusammenkommen, um neue Freundschaften zu schliessen. Auf einer grossen Waldlichtung begegnet sie den unterschiedlichsten Tieren – von frechen Affen bis zu mächtigen Bären. Doch ihre wichtigste Begegnung passiert ganz unerwartet am stillen See: Dort trifft sie den jungen Elefanten Elif. Aus diesem ruhigen Moment entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die stärker ist als alle Unterschiede.

Milli Maus packte, im Takt zur Musik nickend, ihre Reisetasche. Sie freute sich schon riesig auf das Camp. Ihre Schule organisierte nämlich zusammen mit allen Schulen aus der ganzen Welt ein, mal ganz anderes Camp. Tiere aller Arten, von Milli Maus; klein, grau und ungefährlich bis zu grossen, starken und gefährlichen Tieren sollten alle zusammenfinden und neue Freundschaften schliessen. Dass dies funktionieren konnte, galten aber bestimmte Regeln: zum Beispiel durfte kein Tier dem anderen etwas zuleide tun. Milli war schon bis ins kleinste Schnauzhaar gespannt, welche neuen Tiere sie kennenlernen würde. Morgen ging es los und bis dahin malte sie sich das grösste Abenteuer ihres Lebens aus.

Am nächsten Morgen stand die ganze Mäuseklasse pünktlich um sieben Uhr beim grössten Baum des Waldes. Gemeinsam spazierten sie zu den Hasen. Jede Maus stieg auf den Rücken eines Hasen und im nächsten Moment waren sie schon unterwegs. Es war ein schneller Ritt über Stock und Stein. Langsam wurden die Häschen langsamer, bis sie schliesslich auf einer kleinen Anhöhe zum Stehen kamen. Von dieser kleinen Anhöhe sah man auf eine grosse in warme Sonnenstrahlen getauchte Lichtung. Das Ende wurde von grünen und kräftigen Bäumen umrahmt. Man konnte beobachten, wie die feinsten Blätter des Waldes in den Sonnenstrahlen, die durch die Bäume schimmerten, zu tanzen begannen. Es war ein magischer Ort tief im Wald, von dem die Menschen nicht einmal wussten, dass es ihn gab. Ehrfürchtig schaute die kleine Gruppe dem Getümmel auf der Lichtung zu. Es gab Vögel, die ihr buntes Gefieder nur so um die Wette strahlen liessen. Die Tiere, die schon angekommen waren, wurden von einem Campleiter herzlich empfangen. Die Campleiter waren Dachse mit einem grünen Hut auf dem Kopf und einem Block und Stift in der Hand. Auf dem Block strichen sie alle Tiere durch, die schon angekommen waren. Da entdeckte ein Campleiter auch schon Millis Klasse und führte sie von den Hasen weg und zu ihrem Lagerplatz. Sie übernachteten in kleinen Zwerghäuschen, direkt neben den Maulwürfen. Jetzt hatten sie bis zur grossen Wilkommensversammlung frei. Milli beschloss, in dieser Zeit das Gelände zu erkunden.

Das Gelände war riesig und wunderschön. Sie lief am Platz für die Füchse vorbei. Sie wohnten in zwei grossen Bauten. Milli blieb stehen und schaute den kleinen Füchsen eine Weile zu, wie sie lustig und tollpatschig herumtollten, so dass man nur vom zuschauen gute Laune und viel Energie kriegte. Fröhlich pfeifend ging sie weiter, vorbei an den Affen, die gerade frech einem Bären den Honig gestohlen hatten und nun mit dem Bären fangen spielten, den Bären, die gerade ein Nickerchen machten und ihr Fell in der Sonne wärmten, den Pandabären, Flusspferden, Nashörner, Elefanten und Griaffen, bis sie zu einem See kam. Hier war die Stimmung wie ausgewechselt. Es gab keine lauten Tiere mehr, sondern nur noch der See und sie, wie er ruhig im Schatten der Bäume lag und ruhig vor sich hin schlief. Man hörte den Wind, wie er sanft über die Blätter der Bäume streichelte und das Rascheln des Grases, durch welches sich Milli bewegte. Sie tippelte über den Steg und setzte sich ganz vorne an der Kante des Steges auf den Boden. Milli genoss die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlte und schloss die Augen. Doch plötzlich wurde diese Stille von grossen, schweren Schritten unwirsch unterbrochen. Milli drehte sich gerade meckernd um, um zu sagen, dass man hier diese wunderbare Stimmung nicht einfach so unterbrechen konnte, als sie plötzlich verstummte. Sie stand vor einer grossen und grauen Wand. Zuerst war sie erschrocken und wollte sich schnell verstecken, bis sie ihren Kopf in den Nacken neigte. Vor ihr stand ein grosser, grauer Elefant. Auf einmal fühlte sie sich nur noch winzig und unbedeutend. Was soll schon eine so kleine Maus gegen ein so grosses Tier bewirken? Offenbar eine Menge, denn der Elefant trompetete erschrocken auf.

Milli entschuldigte sich, dass es ihr leid tue ihn so angefaucht hatte, eigentlich wollte sie hier nur die Ruhe geniessen. Sie stellte sich als Milli Maus vor und erklärte, dass sie hier vom Camp war. Der Elefant, er war auch noch ein Jungtier, hatte ein feines Haarfläumchen auf dem Kopf und stellte sich als Elefant Elif vor und sagte, dass er hier auch die Ruhe geniessen wollte. Milli fragte ihn, ob er sich nicht zu ihr setzen wollte. Und so kam es, dass sie die Ruhe nun zu zweit genossen. Sie schwiegen, aber es war kein unangenehmes Schweigen, sondern eine Stille, in der jeder seinen eigenen Gedanken nachhing. Sie blieben noch sehr lange, so lange, bis die Sonne schon längst am Horizont untergegangen war.

Die beiden verstanden sich sehr gut und wurden Freunde. Ihre Freundschaft wurde das grösste Abenteuer ihres Lebens, denn es war eine sehr aussergewöhnliche Freundschaft. Gemeinsam meisterten sie alle höhen und tiefen im Leben. Was sie nicht wussten: Von dieser Freundschaft würden sie sogar noch ihren Urenkeln erzählen.


                                     

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