"Die Küste des Lichts" - Eine Geschichte von Silja Rutishauser - Young Circle

«Die Küste des Lichts» – Eine Geschichte von Silja Rutishauser

Member Stories 2026

«Die Küste des Lichts» – Eine Geschichte von Silja Rutishauser

Ein geheimnisvolles Tagebuch, ein Rätsel aus Sternen und eine nächtliche Suche entlang der Küste. Als Liora und Adrian den Hinweisen folgen, führt sie ihre Reise zu einem vergessenen Leuchtturm – und zu Gefühlen, die sie nicht erwartet haben. Eine Geschichte über Abenteuer, Geheimnisse und die Liebe, die manchmal im Dunkeln beginnt.

In einer kleinen Küstenstadt entdeckt die 19-jährige Liora ein geheimnisvolles, altes Tagebuch, welches sie und der Kunststudent Adrian auf eine nächtliche Suche nach dem verborgenen Leuchtturm führt. Zwischen flackernden Laternen, geheimen Nachrichten und einem Rätsel, welches sie nur gemeinsam lösen können, entdecken sie nicht nur das Licht des Turms, sondern auch ihre Gefühle füreinander. Ein einziges Abenteuer verändert ihr Leben und zeigt, dass Liebe oft dort beginnt, wo man es am wenigsten erwartet.

Liora spürte den kalten Wind am Hafen, als sie Adrians handgeschriebene Nachricht fand: „Triff mich am alten Pier, bevor die Nacht verschwindet.“ Salziger Geruch vom Meer stieg ihr in die Nase, und die Wellen schlugen leise gegen die alten Holzbohlen. Möwen krächzten in der Ferne, und irgendwo klapperte ein loses Boot am Steg. Ihr Herz klopfte bis zum Hals, mit dem Tagebuch fest unter dem Arm lief sie über die nassen Bohlen, vorbei an leeren Booten und dem flackernden Licht der Laternen.

Adrian wartete bereits, der Mantel bis zu den Knien, die Hände tief in den Taschen vergraben. „Du bist pünktlich“, sagte er, die Augen funkelten im schwachen Licht.
„Wie hätte ich es auch verpassen können?“ Liora lächelte nervös. „Ich habe das Tagebuch die ganze Zeit bei mir getragen.“

„Bereit?“, fragte er schließlich, und ein leichtes Grinsen huschte über sein Gesicht. Liora nickte, obwohl sie kaum Luft bekam. Zusammen öffneten sie das Tagebuch, eine Seite leuchtete schwach im Mondlicht. Dort stand inmitten von wirren Zahlen, Buchstaben und Sternenpunkte in einer feinen, krakeligen Schrift:

„Nur wer die Reihenfolge der Sterne versteht, findet den Weg ins Licht.“

Liora runzelte die Stirn. „Was soll das heißen, nur wer die Reihenfolge der Sterne versteht, findet den Weg?“

Adrian beugte sich über die Seite. „Schau genau hin: Die Zahlen am Rand sehen aus wie ein Code. Vielleicht müssen wir die Sterne im richtigen Muster zählen?“
„Also quasi ein Rätsel… wie bei diesen alten Schatzkarten aus Filmen?“
„Ja, genau“, antwortete er. „Wenn wir es nicht lösen, kommen wir nicht weiter und finden den Schatz nicht.“

Für einen Moment standen sie schweigend da, die Köpfe zusammen, und kombinierten Zahlen, Sternenpunkte und Buchstaben. Liora biss sich auf die Lippe. „Moment…, wenn ich die Reihenfolge umdrehe, ergibt es eine Kombination. Das könnten Koordinaten sein.“
Adrian nickte begeistert. „Du hast recht.“ Er holt eine Karte hervor und schaut die Koordinaten nach. „Da! Der Pfad dort, nichts wie los!“

Hand in Hand folgten sie dem Pfad, stiegen über Holzstege, die bei jedem Schritt leise knarrten, und schlichen durch enge, dunkle Gassen. Der Duft von altem Holz und Meersalz begleitete sie, und ab und zu huschte ein Schatten vorbei, der sie zusammenzucken ließ.
„Das ist aufregender, als ich dachte“, flüsterte Liora.
„Und beängstigender“, murmelte Adrian zurück, und sie lachten beide leise, um den Nervenkitzel zu vertreiben.

Plötzlich standen sie vor einer hohen Mauer aus alten Steinen, auf denen Symbole eingeritzt waren – Sterne, Monde, Wellen und kleine Fische. „Sieht aus wie ein weiteres Rätsel“, murmelte Adrian.
„Vielleicht müssen wir sie in der richtigen Reihenfolge berühren“, überlegte Liora und schaute auf die Zahlen und Buchstaben im Tagebuch. Sie deutete auf den ersten Stein. „Fang mal hier an.“
Sie setzten ihre Hände abwechselnd auf die Symbole, langsam und vorsichtig, Schritt für Schritt. Jeder Stein schien ein kleines, leises Klicken von sich zu geben. Als sie den letzten Stein berührten, ertönte ein tiefer, warmer Ton, und ein verborgener Gang öffnete sich im Mauerwerk. Liora lächelte breit. „Es funktioniert!“
Adrian drückte leicht ihre Hand. „Teamarbeit.“

Am Ende des Gangs stieg eine schmale Wendeltreppe leicht an, und bald erreichten sie einen verlassenen Leuchtturm. Oben angekommen betätigte Adrian einen Schalter, und das Licht des Turms erleuchtete die dunkle Küste.
„Wir haben es geschafft“, flüsterte er. Liora sah ihn an, und für einen Moment fühlte sich alles leichter an – der kalte Wind, die dunklen Gassen, die Rätsel. Sie standen nebeneinander, und plötzlich war das Lachen zwischen ihnen genauso hell wie das Licht des Turms. Manchmal brauchen Abenteuer nicht nur Mut – sie brauchen jemanden, der sie mit dir erlebt.
                                     

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