Ich schaute zu der dunkelbraunen Kuckucksuhr auf, die man meiner Mutter zu meiner Geburt geschenkt hatte. Schon als Kind war ich fasziniert von dem Mechanismus der Uhr, wie der Kuckuck herausspringt, ein Lied trällert und dann in der Dunkelheit verschwindet. Es war eine ganze Welt, die sich um die Zeit drehte. Der Rahmen war mit fünf Tannen geschmückt. Unten standen zwei Bären, die sich ansahen. Oberhalb des Ziffernblattes drehte sich eine Scheibe: ein junges Paar wirbelte im Kreis umher, nur wenn es der Mechanismus zuliess, durften sie das Licht sehen. Für einen kurzen Augenblick schienen sie mich anzugrinsen. Dann drehten sie weiter. Ich liebkostete die Uhr mit meinen Blicken, bestaunte jedes filigrane Detail. Gespannt wartete ich auf die nächste volle Stunde, zählte die Sekunden, bis es kam. Doch etwas stimmte nicht, der Kuckuck fehlte. Mit einem Ruck wurde ich hochgerissen. Dunkelheit. Die Zahnräder ratterten, quietschten in meinen Ohren. Es dröhnte. Ich wollte meine Hände über meine Ohren legen, doch es ging nicht. Meine Gliedmassen verhärteten sich zu Holz, während die Zahnräder unaufhörlich drehten. Zahn in Zahn. Grausam sanft streiften sie mich. Unter dem Holz schlug noch etwas. Eine ganze Stunde verging, dann wurde ich mit einem Ruck nach vorne katapultiert. Ich durfte raus. „Kuckuck“ krächzte ich. Das Paar gluckste. Es klickte. Noch neunundfünfzig Minuten.
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