"Die Dämonenkönigin" - Eine Geschichte von Annika Cardinale - Young Circle

«Die Dämonenkönigin» – Eine Geschichte von Annika Cardinale

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«Die Dämonenkönigin» – Eine Geschichte von Annika Cardinale

Auf der Flucht vor einer Dämonenarmee riskiert Cat alles, um ihren besten Freund zu retten. Doch ihr Plan geht schief und sie erwacht plötzlich als Gefangene im Palast des Dämonenkönigs. Als sie gezwungen wird, ihn zu heiraten, merkt sie, dass die grösste Gefahr nicht der König selbst ist – sondern das Gefühl, das sie in seinen Augen erkennt.

Ich rannte durch den Regen. Ich schaute zurück und erschauderte. Ich fiel und schlug mit meinem Kopf auf dem nassen und kalten Asphalt auf und alles wurde schwarz.

Aber nun, zum Anfang. Alles begann 8 Stunden zuvor an einem kalten Herbstabend.

Ich befand mich in einer kalten Höhle. Ich zitterte wie Espenlaub, während ich unsere Schwerter an einem Stein schliff und mich fragte, wie lange mein bester Freund noch brauchen würde, um Feuerholz zu sammeln.

«Hey Cat. Bin wieder da.»

«Das dauerte aber lange. Hast du das ganze Königreich durchquert, um Holz zu sammeln? Zu deiner Information, ungefähr 10 Schritte vor unserem Versteck liegt ein grosser Wald. Gab’s da etwa keine Stöckchen mehr?»

«Das ist ja ‘ne nette Begrüssung.» sagte Max augenrollend. «Ich war nur so lange weg, weil ich deine miese Laune nicht mehr aushalte!»

Ich blickte ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an. «Ach, ist das so? Nun, dann kannst du dir auch einfach ein eigenes Versteck suchen. Denn ich war die, die diese Höhle entdeckt hat.»

«Tja, das würde ich wirklich sehr gerne…aber ich bin noch nicht bereit so früh zu sterben.»

Ich schaute weg und musste mir ein kleines Lächeln verkneifen. Denn ich wusste, dass er keine 5 Minuten ohne mich da draussen überleben würde.

Nicht einmal eine Stunde nachdem wir es uns gemütlich gemacht hatten, hörte ich ein Knacken. Ich schreckte auf und stiess den neben mir liegenden Max an.

«Was ist denn…»

Ich schlug ihm meine Hand auf den Mund und bedeutete ihm mit einem kurzen «Schh» still zu sein. Ich wartete ab und hoffte, dass es einfach nur ein Tier war. Doch dann hörte ich auf einmal Stimmen, aber nicht in unserer Sprache, sondern in der Dämonensprache. Ich griff augenblicklich zu unseren Waffen und streckte sie Max entgegen. Er nahm sie, während er mir dabei zusah, wie ich seinen Arm packte und uns unsichtbar machte.

Da ich eine halbe Dämonin bin, habe ich spezielle Kräfte.

Beispiel: Ich kann mich und andere unsichtbar machen oder jemandem eine Illusion erscheinen lassen.  Leider werden meine Kräfte sehr schnell erschöpft und brauchen dann ziemlich lange, um aufzuladen. Weil ich eben nur eine halbe Dämonin bin und deshalb versuche ich meine Kräfte nur selten zu benutzen.

Ich hielt ihn so verkrampft fest, dass ich schon das Gefühl hatte, dass sich meine Fingernägel durch unsere Kleidung in seine Haut bohrten. Als die Dämonenkrieger die Höhle betraten, nutzten wir die Chance und schlichen uns langsam raus.

Ungefähr, nachdem wir 20 Minuten lang Hand in Hand in den Wald rannten, spürte ich bereits, wie meine Kräfte schwanden. Ich stoppte abrupt und liess ihn los. Wir beide wurden wieder sichtbar und Max drehte sich mit Angst in den Augen um.

«Was machst du? Mach uns sofort wieder unsichtbar!»

«Das kann ich nicht. Ich spüre bereits wie meine Kräfte schwinden und es dauert immer mehrere Stunden, um sie wieder aufzuladen.»

«Aber wir stecken in gewaltiger Gefahr. Willst du es wirklich riskieren uns umzubringen?»

«Natürlich nicht, aber ich weiss auch, dass du mich sicherlich nicht herumtragen kannst, weil mich meine Kräfte zu sehr geschwächt haben! Und jetzt lass uns weitergehen. Wir müssen es in eine Stadt schaffen.»

Danach gingen wir in todesstille nebeneinanderher. Stunden waren vergangen, bis wir endlich eine Stadt erreichten. Es war regnerisch, stockdunkel und wir waren todmüde. Wir wollten uns gerade eine Unterkunft suchen, als ich bemerkte, dass der Dämonenkönig nach mir fahnden liess. Diese Tatsache machte es unmöglich, nach einer Unterkunft zu fragen. Das bedeutete, dass wir in einen Stall einbrechen müssten und uns gut im Heu einkuscheln müssten. Alles, um zu leben!

Als wir in eine Gasse einbogen und es uns hinter Mülltonnen gemütlich machten, weil ‘Mr. Max’ nicht in einen Stall einbrechen wollte, um zu überleben, sah ich wie ein Dämonenkrieger mit einer Dame sprach.

«Oh nein…» sagte ich mit zittriger Stimme.

«Was ist?» fragte Max noch ganz entspannt.

«Ich glaube man hat uns verpfiffen.»

«Wieso denkst du das?»

«Na weil da vorne eine ganze Dämonenarmee steht und dieser Dämonenkrieger, dieser Frau einen Beutel voller Münzen gibt.»

«Oh mein Gott, oh mein Gott… Wir werden sowas von sterben!»

«Nein, das werden wir nicht und jetzt reiss dich mal zusammen! Ich habe einen Plan. Der Dämonenkönig will mich und nicht dich, also wirst du dich hier verstecken, während ich sie ablenke und von hier wegführe.»

«Und was ist mit deinen Kräften? Sie sind bestimmt noch nicht wieder aufgeladen und ich werde nicht dabei zusehen, wie du stirbst.»

«Meine Kräfte sind zwar nicht wieder zu 100 Prozent da, aber sie sollten ausreichen, um ihnen eine schöne Illusion erscheinen zu lassen. Während sie meine Illusion sehen, habe ich genügend Zeit, um abzuhauen.»

«Und wie lange wird diese Illusion andauern?»

«So ungefähr 10-20 Minuten. Okay, hast du den Plan verstanden?»

Mit einem kurzen Nicken beantwortete er meine Frage. Ich umarmte ihn noch einmal und rannte dann ohne Ausrüstung vor die Dämonen und liess ihnen eine Illusion erscheinen. Ich rannte durch den Regen. Ich schaute zurück und erschauderte. Ich fiel und schlug mit meinem Kopf auf dem nassen und kalten Asphalt auf und alles wurde schwarz.

Ich wusste nicht wie viel Zeit verging, aber irgendjemand zerrte an meinen Haaren. Ich schlug meine Augen auf und sah, wie mehrere Dienstmädchen um mich herumstanden.

«Wer, wer sind sie?» fragte ich benommen.

«Oh, Sie sind rechtzeitig für die Hochzeit wach geworden. Das wird unserem Meister sehr gefallen.»

«WIE BITTE?! WAS FÜR EINE HOCHZEIT? ICH HABE KEINER ZUGESTIMMT!!»

«Nun, aber unser König hat es so befohlen! Und was er sagt, ist Gesetz. Und jetzt los. Wir beginnen jeden Moment.»

Auf einmal hörte ich, wie die Hochzeitsmusik zu spielen begann. Eines der Dienstmädchen packte mich am Arm und zerrte mich in den Saal. Dort standen nur der Pfarrer und der äusserst gutaussehende Dämonenkönig.

Ich wurde vor ihn geschleppt und ehe ich auch nur blinzeln konnte, küsste er mich.

Ich schaute in seine Augen und eigentlich sollte ich mich fürchten, doch da war etwas anderes, was ich fühlte. Und diese Tatsache machte mir Angst…

Fortsetzung folgt…

                                     

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