„Noah!“, brüllte Alex zum dritten Mal, „hast du die Wasserflaschen eingepackt?“
„Ich stehe neben dir, also brüll nicht immer so rum“, zischte Noah zurück, „und ja, ich habe sie eingepackt.“
„Schön“, antwortete Alex, diesmal weniger laut.
Die beiden waren schon seit zwei Stunden auf den Beinen und suchten noch die letzten Sachen zusammen, um dann mit ihrem Motorrad nach Paris zu fahren. Alex strich sich durch das braune Haar und seufzte.
„Hast du auch wirklich alles eingepackt?“ fragte er Noah zum dritten Mal.
Dieser schnaubte frustriert und antwortete genervt: „Ja, egal wie oft du mich noch fragst, meine Sachen verschwinden nicht einfach so.“
„Beruhige dich, Babe“, meinte Alex und wuschelte durch Noahs blonde Haare, woraufhin dieser ihn mit seinen blauen Augen böse anfunkelte.
„Nenn mich nicht so“, knurrte er.
„Babe“, sagte Alex absichtlich noch einmal, um ihn zu provozieren.
Noah funkelte ihn erneut böse an und schlug ihm in die Brust. Nicht fest, um weh zu tun, aber genug, um es zu spüren.
„Halt die Klappe!“, schnauzte Noah und drehte sich um, um zu seinem Motorrad zu gehen.
Alex grinste nur noch fester und ging zu seinem eigenen Motorrad.
Als die beiden nach vier Stunden und drei Pausen zu einer Tankstelle kamen, konnten sie endlich ein wenig verschnaufen. Alex stieg ab und streckte sich erst einmal. Sie tankten ihre Motorräder wieder voll auf und gingen in die Tankstelle, um ein Sandwich zu kaufen.
Als sie zur Kasse kamen, lief ein Radio im Hintergrund.
„Können Sie mal lauter stellen?“, bittet Noah die Verkäuferin.
Diese stellte das Radio lauter, und die drei hörten die Neuigkeiten:
„Auf der A120 Richtung Frankreich ist ein Autofahrer schwer verletzt worden. Die Polizei ermittelt bereits, wie es passieren konnte. Allerdings ist die Straße bis auf Weiteres gesperrt. Wir raten Ihnen daher, eine Umleitung zu benutzen. Und jetzt weiter mit dem nächsten Song von…“
„Verdammt, Scheiße!“, fluchte Noah.
„Wolltet ihr nach Frankreich?“, fragte die Verkäuferin, während sie ihre Produkte scannte.
„Ja“, antwortete Alex und bezahlte die Produkte, „kennen Sie eine Unterkunft hier in der Umgebung?“
Die Verkäuferin überlegte einen kurzen Moment und antwortete:
„Ja, etwa drei Kilometer weiter gibt es ein Motel. Es ist allerdings schon sehr alt.“ Sie zeigte in Richtung Norden.
Alex und Noah tauschten einen kurzen Blick, bedankten sich dann bei der Verkäuferin, nahmen ihre Sachen und gingen zurück zu ihren Motorrädern.
„Wir bleiben diese eine Nacht im Motel und fahren morgen früh weiter, einverstanden?“ fragte Alex und zündete sich eine Zigarette an.
„Einverstanden, aber hör auf zu rauchen. Du weißt genau, dass es nicht gesund ist, und ich mag es nicht, wenn du rauchst“, antwortete Noah genervt und verstaute die Sachen in seiner Tasche.
„Ist ja gut“, antwortete Alex und drückte die Zigarette aus. „Also, soll ich vorfahren?“
Noah nickte und zog seinen Helm wieder an. Die beiden stiegen wieder auf die Motorräder und fuhren los.
Nach etwa zwei Minuten erreichten sie das von der Verkäuferin genannte Motel – ein altes, etwas heruntergekommenes Haus.
„Sieht nicht sonderlich einladend aus“, meinte Noah angewidert.
„Es ist ja nur eine Nacht, das überlebst du schon“, meinte Alex und stieg ab.
Noah verdrehte die Augen und folgte Alex, als dieser zum Eingang lief.
Als sie das Haus betraten, horchte die Rezeptionistin auf.
„Oh, willkommen! Wie lange möchtet ihr zwei hübschen denn bleiben?“
Noah verdrehte die Augen, und Alex antwortete:
„Nur eine Nacht.“
Die Rezeptionistin nannte den Preis, und als Alex bezahlte, gab sie ihnen die Schlüssel.
Als sie ins Zimmer kamen, legte sich Noah direkt ins Bett.
„Du hast die Ausdauer eines Zwölfjährigen, nicht die eines Achtzehnjährigen“, meinte Alex grinsend.
„Du bist nur ein Jahr älter, also sag nichts“, schnauzte Noah ihn an, woraufhin Alex nur noch mehr grinste, aber sich schließlich neben ihn legte.
Die beiden lagen eine Weile einfach nur da, bis Noah auf einmal das rhythmische Tropfen ansprach.
„Tropft unser Wasserhahn?“, fragte er.
Alex runzelte die Stirn:
„Nein, warum fragst du?“
„Hörst du das Tropfen etwa nicht?“, fragte Noah erstaunt.
Alex schüttelte den Kopf.
„Du bist wahrscheinlich nur müde und bildest dir Dinge ein“, meinte er. „Versuch einfach zu schlafen.“
Mit diesen Worten drehte Alex sich um und löschte das Licht. Kurz darauf schlief er ein.
Noah hingegen lag bis drei Uhr nachts wach, bis das Tropfen plötzlich aufhörte. Er wunderte sich, dachte sich aber nichts dabei, da er ohnehin schon müde war. Er schlief schnell ein und wurde viel zu früh wieder geweckt.
„Gut geschlafen, Babe?“, fragte Alex, der sich gerade umzog.
„Viel zu wenig, und nenn mich nicht Babe!“, fauchte Noah müde zurück.
„Konntest du nicht einschlafen?“, fragte Alex ein wenig besorgt.
„Nicht wirklich, aber es geht schon“, antwortete Noah, während er sich aufrichtete und streckte.
Alex warf ihm sein Sandwich zu.
„Ich hab schon gegessen. Ich packe schon mal zusammen.“
Eine Stunde später saßen die beiden wieder frisch gestärkt auf ihren Motorrädern. Die Fahrt nach Paris verlief ruhig, und nach einigen Pausen erreichten sie endlich ihr Hotel. Sie checkten ein und gingen erst einmal auf ihr Zimmer. Sie machten es sich gemütlich, und während Alex duschte, war Noah ein wenig an seinem Handy.
Als Alex aus der Dusche kam, war Noah kreidebleich und starrte fassungslos auf sein Handy.
„Was ist los?“, wollte Alex wissen.
Noah schluckte und sagte dann:
„Heute Morgen wurden zwei Tote in dem Motel in dem wir waren gefunden. Laut Polizei wurden die Opfer gegen drei Uhr umgebracht. Sagt jedenfalls die Uhr der Leiche, die ertränkt wurde.“
Alex erstarrte.
„Zum Glück sind wir weg von dort“, meinte er leise.
Noah hingegen konnte das Tropfen nicht vergessen, das um genau drei Uhr, also zum Todeszeitpunkt, aufgehört hatte. In dieser Nacht schlief er mit Kopfhörern in den Ohren und schwor sich, nie wieder in diese Gegend zu gehen.
Während Noah schlief, lag Alex wach und lauschte dem Tropfen zu, das seltsamerweise plötzlich aufhörte, als die Zeiger drei Uhr nachts zeigten.
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