Heute, 20:43 Uhr
Hi Kat, ich bin bald bei dir!
Okay, super. Ich freue mich!
Wann bist du da?
Heute, 21:00 Uhr
Amy? Alles okay?
«Hallo Kat” Amy stand schweissgebadet vor der Tür. “Warum hast du nicht auf meine Nachrichten geantwortet?” wollte Kat wissen. “Ich habe schon wieder mein Handy verloren.” erwiderte Amy genervt. “Das ist schon das zweite Mal diese Woche! Wo hast du es diesmal liegengelassen?” frage Kat schmunzelnd. “Ich vermute schon wieder im Bus!” erwiderte Amy genervt, “Ich muss nachher im Fundbüro anrufen, um zu fragen, ob es abgegeben wurde” Sie gingen ins Wohnzimmer. „Endlich können wir wieder mal Übernachten!“ versuchte Kat Amy aufzumuntern. Den Rest des Abends verbrachten sie auf dem grossen Sofa. Sie schlürften Instant-Nudeln und schauten dabei Trash-TV. Plötzlich ertönte ein lautes “Ping”. Kat stand auf und schnappte sich ihr Handy, das auf dem Tisch lag. Verblüfft schaute sie mehrere Sekunden auf den Bildschirm. „Ähm, Amy komm mal.“ Diese stand auf und blickte über Kats Schulter auf das Handy. „Eine neue Nachricht von Amy.“ sprach Kat laut aus und öffnete die Mitteilung mit zittriger Hand:
Hallo Kat!
„Sieht ganz so aus, als hätte jemand dein Handy gefunden, Amy!“ sagte Kat verwundert.
„Ja, komm wir antworten darauf!“ erwiderte diese euphorisch.
„Was denn?“ fragte Kat.
„Lass mich mal!“ schrie Amy.
Amy riss das Handy aus Kats Hand und schrieb direkt drauf los:
Hi Amy! Hast du dein Handy wieder gefunden?
10 Sekunden später antwortete die Person:
Ja
Amy liess Kats Handy langsam sinken. „Diese Person behauptet MICH zu sein!“ Kat nahm das Handy abrupt an sich. „Warum hast du das geschrieben? Nun siehst du dein Handy nie wieder! Es sei denn…” Kat kehrte Amy hastig den Rücken zu und begann zu tippen.
Ich weiss, dass du nicht Amy bist!
„Was hast du gemacht?“ fragte Amy mit hochgezogenen Augenbrauen. Kat drehte ihr Handy so zu Amy, dass sie die kleine Sprechblase lesen konnte. „Sag mal bist du bescheuert?!“ fragte Amy entsetzt. Eine neue Nachricht lenkte die Aufmerksamkeit der Mädchen sofort wieder auf den Bildschirm:
Weisst du auch, dass Amy dir etwas verheimlicht, Kat?
“Amy? Was soll das heissen?” “Ähm, ich habe keine Ahnung” antwortete diese. Kat stürmte die steile Holztreppe hinauf, ging in ihr Zimmer und verriegelte die Tür. Amy war ihr dicht auf den Fersen. “Mann, Kat mach die Tür auf!” Doch Kat hatte andere Pläne, und konnte nun ungestört der mysteriösen Person schreiben.
Erzähl mir mehr davon.
Amy hat deinen Abschlusstest sabotiert,
damit sie besser abschneidet als du.
Kat fühlte wie langsam heisse Wut in ihr aufkam. Sie hatte beim wohl wichtigsten Test ihres Lebens nur 17 von 100 Punkten erreicht, während Amy satte 90 abgeräumt hatte. Sie konnte ihre Wut nicht mehr im Zaum halten. “Amy!” schrie Kat so laut sie konnte, obwohl ihre Freundin sich direkt hinter der Tür befand. “Du hast meinen Abschlusstest sabotiert?!” Amy gab einen erschrockenen Laut von sich. “Woher weisst… es tut mir leid.” stotterte Amy weiter. “Wow! Du versuchst es nicht mal abzustreiten.” entgegnete Kat ungläubig. “Bitte mach die Tür auf! Lass uns das klären!” Amy gab nicht auf. Doch Kat widmete sich wutentbrannt ihrem Handy.
Wer bist du?
Ihr kennt mich beide.
Kat zögerte kurz und entriegelte schliesslich ihre Zimmertür. Amy kam ihr mit Tränen in den Augen entgegen. “Es tut mir so leid Kat!” fing sie an zu schluchzen, doch Kat drehte hastig ihr Handy in Amys Richtung. Sie blickte auf den viel zu hellen Bildschirm. “Ich habe wirklich keine Ahnung wer das sein könnte Kat, aber frag bitte die Person, ob sie mir mein Handy zurückgeben kann.” Kat schaute sie finster an, tippte aber dennoch los.
Kannst du bitte Amys Handy zurückgeben?
Nach wenigen Sekunden kam schon die Antwort.
Klar! Trefft mich um 22:00 Uhr am alten Brunnen im Park, dann kriegt sie ihr Handy zurück.
Beide schnappten nach Luft. “Wollen wir die Person treffen?” fragte Kat „Nein! Es ist dunkel draussen, deine Eltern sind nicht zuhause und wir wissen nicht, wer dort auf uns wartet!“ verneinte vehement Amy. „Schon klar Amy aber wir kennen diese Person angeblich beide. Ausserdem hat sie sich Zugriff auf dein Handy verschafft!” Amy riss ihre Augen weit auf und blickte ängstlich aus dem Fenster.
Der eisige Wind blies ihnen um die Ohren, trotzdem fiel es ihnen schwer zu atmen. Sie blieben vor dem Brunnen stehen. Kat beleuchtete mit ihrer Handytaschenlampe die Umgebung. Sie waren allein. Von der Nacht verschluckt. “Da liegt etwas!” Kat hatte etwas mit dem Lichtstrahl eingefangen. Auf dem Brunnenrand lag ein zerknittertes, mit einem Stein beschwertes Stück Papier. Amy nahm es in die Hand, faltete es auf und las den Inhalt mit zittriger Stimme vor:
Amy ist nicht die Einzige mit einem Geheimnis. Kat hat auch eins. Bald wissen es alle.
Der nächste Tag:
“Wo wart ihr während des Einbruchs?” fragte der Polizeioffizier. “Wie schon gesagt im Park.” sagte Amy monoton. Der Beamte nickte und legte einen Stapel Fotos auf den Tisch. “Kat, kannst du mir bitte sagen was auf den Bildern fehlt? So können wir herausfinden, was und ob der Einbrecher etwas gestohlen hat. Es wurde zwar offensichtlich eingebrochen, aber nichts entwendet” erklärte er weiter. Kat beugte sich über die ausgebreiteten Fotos, die ihr verwüstetes Zimmer zeigten. Sie musterte jede Abbildung minutiös doch auf keinem fehlte etwas. Als ihr Blick aber auf ein Foto, das ihren Schreibtisch von oben zeigte, glitt, schnappte sie hastig nach Luft. Sie blickte dem Offizier panisch in die Augen. “Mein Tagebuch fehlt!”
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