"Cause Once youre a dreamer, you’re always a dreamer" - Eine Geschichte von Marie Wölpert - Young Circle

«Cause Once youre a dreamer, you’re always a dreamer» – Eine Geschichte von Marie Wölpert

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«Cause Once youre a dreamer, you’re always a dreamer» – Eine Geschichte von Marie Wölpert

Agnes wächst in einer Welt auf, in der ihre Zukunft bereits festgelegt ist: eine gute Ehe, ein ruhiges Leben und keine eigenen Träume. Doch tief in ihrem Herzen sehnt sie sich nach Kunst, Musik und Freiheit. An einem Abend, der eigentlich nur ein höfliches Kennenlernen sein sollte, begegnet sie jemandem, der ihre verborgenen Wünsche versteht.

Der Text des Liedes, welches der Fremde heute Morgen zuletzt gesungen hatte, schwirrte ihr noch immer im Kopf herum. Er war ein Strassenmusiker, die Mütze zwar kaum mit Münzen gefüllt, doch sein Herz voller wärme, welche man über den ganzen Marktplatz spürte. Er erzählte zwischen den Liedern von seinen und den Träumen anderer und dass diese niemals unerreichbar sein sollten. Sie hatte diesen Worten voller Hoffnung gelauscht und sich gewünscht, es könne wahr sein. Sie wäre gerne länger geblieben, doch ihr Vater würde sich wundern, weshalb sie so lange brauche.

Als sie zu Hause ankam fühlte sie sich von ihren Gefühlen erdrückt. Wie ein Vogel in einem viel zu kleinen, aber goldenen Käfig. Ihre Träume und Wünsche erdrückten sie mehr oder minder.

«Die Finger einer jungen Dame wie dir sollten nicht für andere dreckig werden», erstickt ihr Vater ihren Traum Malerin zu werden.

«Willst du dich wirklich auf das Niveau einer solch dreckigen Arbeitskraft herablassen?», fragt ihre Mutter, als sie davon sprach, das Nähen zu ihrer Berufung zu machen.

Alle anderen ihrer Ideen für ihre Zukunft wurden als für sie zu schlecht abgestempelt. Als hätte sie keinen eigenen Vorstellungen ihrer Zukunft, sondern sei einfach eine Frau ohne Stimme oder Meinung. Als sei sie nur Mittel zum Zweck.

Sie genoss zwar von klein auf die beste Bildung, spricht mehr als vier Sprachen fliessend, konnte lesen und schreiben und rechnen, doch dies würde niemals reichen, um auf denselben Stand eines Mannes zu kommen, denn sie war ja kein Mann. Deshalb musste sie bald einen Mann heiraten. Ihm Kinder zu schenken. Ihm immer zur Seite zu stehen. Doch niemals würde sie selbst im Rampenlicht stehen und ihr Talent unter beweis zu stellen. Dafür war sie dann doch nicht gut genug.

Und heute Abend würde sie ihren zukünftigen Mann treffen. Er war zwanzig, nicht viel älter als sie also. Er war aus einer noblen Familie und würde bald in der Bank ihres Vaters Arbeit finden.

Sie liebte die Kunst.

Sie stand schon immer sehr gerne vor ihrer Staffelei und malte die wunderschönen Blumen, des Gartens, der um ihr Haus herum wuchs.

Nachdem ihr eine Angestellte ihres Vaters im Geheimen das Nähen beibrachte, hätte sie am liebsten Tag und Nacht dort verbracht, doch ihr Geheimnis blieb nicht lange unentdeckt.

Oder die Geige, dessen Musik sie so wunderschön fand und sie von klein auf liebte zu spielen.

Doch als ihre Zofe ihr Zimmer betrat und sie aus ihren Gedanken riss, verpatzen all die Träume, die sie sich ausmalte.

«Komm, wir kleiden dich an. Das Kleid soll nicht umsonst genäht worden sein.» Das Kleid, welches sie an jenem Abend tragen sollte, war aus azurblauer Seide. Darüber würde sie einen Mantel aus Kaschmir Wolle tragen. Beides so teure Stoffe, dass sie sich über den Preis überhaupt keine Gedanken machen wollte.

Angezogen war dieses Kleid trotz allem wunderschön. Es schmiegte sich elegant an ihren Körper, ohne aber ihre Figur allzu sehr zu betonen, so wie es sich für eine junge Frau ihres Adelsstandes gehörte. Ausserdem stand die Farbe in einem traumhaften Kontrast zu ihren aschblonden Haaren und ihren haselnussbraunen Augen.

In diesem Moment klopfte es wieder an ihrer Türe und ihre Mutter trat ein. «Du siehst wunderschön aus, Agnes.», lächelt sie. «Komm wir gehen, wir wollen ja nicht, dass unsere Gäste warten.»

Als sie die Treppe hinunterkamen, drehten sich alle Köpfe zu ihnen. Mit einem Lächeln grüssten beide ihre Gäste. Ihre Mutter führte sie geradewegs auf einen mit Blumen geschmückten Tisch zu, an welchem ihr Vater, sowie ihr älterer Bruder Leopold mit seiner Frau Greta standen. Beim Näherkommen entdeckte sie ausserdem noch einen weiteren Mann, sowie ein älteres Paar.

«Agnes, dies ist Konrad. Dein zukünftiger Ehemann.», erklärt ihr ihr Vater. «Und dies sind seine Eltern.» Sie nickt allen dreien der Reihe nach zu und erwidert «Vielen Dank, dass sie hier sind. Ich freue mich sehr.» «Die Freude ist ganz unsererseits», antwortet die ältere Dame, Konrads Mutter.

Nach einiger Zeit bittet Konrad sie um einen Spaziergang durch den Garten. Sie war froh über die Abwechslung, denn so sehr sie sich bemühte, den hohen Worten seiner Eltern zu folgen, verlor sie doch nach geraumer Zeit den Faden.

Als sie eine Zeit lang stumm an den Blumen vorbeiliefen, erst die Veilchen und dann die Rosen, bis sie bei dem Vergissmeinnicht ankamen. «Euer Garten blüht in so einer Pracht. Da kommt man kaum aus dem Staunen heraus.» Dieser Satz entlockte ihr ein leises Schmunzeln. «Und Sie erinnern sich wirklich nicht mehr an mich?» Sie blickte zu ihm hoch und versuchte sich bei bestem Willen an diesen Herren zu erinnern.
«Ich bedauere, doch dies muss ich verneinen.»
«Von was Träumen sie?», sie verstand diesen plötzlichen Themenwechsel zwar nicht, aber spielte trotz allem mit.
«Ist eine solche Frage denn für jemanden für mich von Belang?»
«Natürlich ist sie das. Jemand wie Sie sollte alle Türen zur Welt offen haben.»
«Wie schön dies doch wäre»
«Nun erzählen Sie doch. Ich sehe es in Ihren Augen, wie viele Wünsche und Träume in Ihnen schlummern.»

Sie lächelte ihn an und begann zu erzählen. Vom Malen, welches sie so erfüllte, dann vom Nähen bis hin zur Musik und zum Schluss vom Schreiben. Er hörte ihr aufmerksam zu und zeigte Interesse, welches so echt wirkte. «Doch das werde ich niemals erreichen können.» Beendete sie ihre Erzählung.»

«Und weshalb nicht?»
«Weil ich eine Frau bin. Von klein auf wurde mir beigebracht, dass ich nur so viel bin, wie ich meinem zukünftigen Ehemann geben kann.»
«Und doch stehen Sie hier, und teilen all dies mit mir.»

Eine kurze Zeit herrscht Schweigen. «Wissen Sie, weshalb ich mit Ihnen hier rüber gesprochen habe?»
«Weshalb?»
«Weil ich mich oft genauso fühle wie Sie. Ich habe Träume und Wünsche, und doch ist mein Leben von allen durchgeplant. Und soll ich Ihnen noch etwas verraten?»
Gespannt schaut sie Ihn an und nickt.

Und er flüstert neun Worte, die ein leises Versprechen für Sie und für ihn selbst sind:

‘Cause Once youre a dreamer, you’re always a dreamer

                                

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