„Das ist alles, was ich dir sagen wollte“…ich nahm den letzten Brief, den ich ihm geschrieben hatte mit zitternden Händen und legte ihn in den Briefumschlag. Insgesamt hatte ich ihm 111 Briefe geschrieben. Ich spürte, wie mir langsam Tränen in die Augen stiegen als ich mit schwungvoller Handschrift seinen Namen auf den Umschlag schrieb. 111 Nächte, die ich mit Weinen und Schreiben verbracht hatte. Es sind Sommerferien. Die Schule vorbei ist. Er hatte mich verändert, auch wenn er es nicht wusste. Ich hatte ihn jeden Tag angeschaut und wusste, dass er in meinen Gedanken sein wird, wenn ich diese Welt verlasse. Ich lächelte und das erste Mal hatte ich nicht das Gefühl, dass mein Herz in 100 Teile zersprang als ich seinen Namen schrieb. Er wusste nie, wie sehr ich ihn geliebt hatte, manchmal hatte ich das Gefühl er mochte mich auch, aber dem scheint nicht so gewesen zu sein, sonst hätte er es doch gesagt, oder? Ein kleiner Teil von mir wird diese Ungewissheit für immer verachten und ich versuchte die Gänsehaut zu ignorieren die sich über meinem ganzen Körper ausbreitete. Ich atmete tief ein und wieder aus, jetzt war es zu spät. Ich habe ihn seit dem ersten Tag geliebt. Ich erhob mich von meinem Zimmerboden und nahm den grossen und schweren Umschlag mit einem Teil meiner Seele in meine Hand. Ich ging die Treppe hinunter und griff mir meine Nikes aus dem Schuhregal. Dann ging ich hinaus in die warme Sommernacht. Die Sonne war dabei unterzugehen und färbte den Himmel in ein rot- orange. Die leicht warme Brise bewegte meine langen orangen Haare. Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen und liess die letzten paar Jahre über mich ergehen, den Tag, als ich ihn das erste Mal gesehen hatte und den vor 2 Tagen, als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Ich öffnete die Augen wieder und begann zu seinem Zuhause zu laufen. Nach guten 30 Minuten war ich bei ihm angekommen. Es war kein Auto vor dem Haus zu sehen, was ich interpretierte, dass keiner zu Hause war. Ich öffnete den Spalt des Briefkastens und atmete tief ein und aus bevor ich den Umschlag hineingleiten liess. Ich lächelte, ich war endlich frei. Tränen stiegen mir diesmal nicht vor Verzweiflung in die Augen, sondern weil ich endlich mein Leben leben konnte. Als ich auf dem Absatz kehrtmachte, war ich bereit, dieses Kapitel für immer zu schliessen.
Als ich zu Hause war, holte ich meinen Koffer aus der Garage, weil ich morgen mit meinem Vater nach Ägypten in die Sommerferien fliegen werde. Wenn ich zurückkomme, dann werde ich nach Italien fliegen und mein Studium als Anwältin beginnen. Ich ging zu meinem Schrank und begann meinen Koffer zu packen. Ich werde ihn nie wieder sehen, manche Dinge im Leben sollten wohl einfach nicht sein, egal wie sehr man sie will.
Him
Ich parkte auf meinem Parkplatz vor dem Haus, als ich ausstieg, ging ich nach drinnen. Ich roch, dass meine Mutter bereits am Kochen war. Ich sagte ihr kurz hallo, dann ging ich in mein Zimmer. Die Sommerferien hatten begonnen und ich hatte endlich Zeit für meine Freunde und Ferien. Ich zog meine Trainingssachen aus und duschte. Als ich fertig war, rief mich meine Mutter zum Essen. Ich unterhielt mich mit ihr. Danach ging ich wieder in mein Zimmer. Ich legte mich in mein Bett und schlief kurz darauf ein.
Ich wurde um 7.00 Uhr morgens geweckt. Durch das Staubsaugen meiner Mutter. Ich wusste, dass ich sowieso nicht mehr einschlafen konnte. Ich starrte für ein paar Minuten die Decke an. Irgendwas fühlte sich seltsam an. Es fühlte sich an, als würde mir ein schwerer Stein auf dem Magen liegen. Ich schloss kurz die Augen und diese wasserblauen Augen blitzten in meinen Gedanken auf. Ich wusste, dass sie mich nie gemocht hat, wie ich sie gemocht habe, aber manchmal wünschte ich mir, sie und ich hätten mehr werden können. Sie wusste auch nicht, dass ich sie seit dem ersten Tag geliebt habe, und ich bereue es jeden Tag, dass ich es ihr nicht gesagt habe. Ich schüttelte den Kopf dann schwang ich die Beine über die Bettkante und erhob mich. Ich griff nach einem schwarzen T-Shirt über der Lehne meines Stuhls. Da fiel mir der grosse weisse Umschlag auf meinem Schreibtisch auf. Es stand in einer schwungvollen Handschrift mein Name darauf. Meine Mutter musste ihn mir in mein Zimmer gelegt haben, als ich am Schlafen war. Ich hob ihn vom Tisch auf und drehte ihn zurück und wieder nach vorne, kein Absender. Ich dachte zuerst das es nur alte Blätter sind, die die Schule mir nachgeschickt hat. Ich wollte den Umschlag gerade in den Müll werfen, doch dann hielt mich etwas auf. Ich zögerte zuerst. Ich öffnete ihn und darin befanden sich Briefe, viele Briefe es mussten über 100 Stück sein. Die Handschrift war so wunderschön und schon wieder kamen mir diese wunderschönen Augen in den Sinn. Das erste Mal in meinem Leben fühlte ich Angst in meinem Körper. Ich zog den ersten raus und begann zu lesen.
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