"A Girl and Her 4 Friends Enter a Forest. Only One Comes Out." - Eine Geschichte von Lea Tschanen - Young Circle

«A Girl and Her 4 Friends Enter a Forest. Only One Comes Out.» – Eine Geschichte von Lea Tschanen

Member Stories 2026

«A Girl and Her 4 Friends Enter a Forest. Only One Comes Out.» – Eine Geschichte von Lea Tschanen

Fünf Freunde betreten einen Wald, den man eigentlich meiden sollte. Nur eine von ihnen kommt wieder heraus. Doch manche Orte lassen dich nicht einfach gehen – und manche Geschichten enden nicht, nur weil du entkommen bist.

Niemand wusste genau, wann es angefangen hatte. Vielleicht an dem Tag, als sie beschlossen, mutig zu sein. Der Wald lag am Rand ihrer kleinen Stadt. Er war nicht abgesperrt, nicht verboten – aber jeder wusste, dass man nicht tief hineinging. «Wir gehen nur bis zur alten Eiche», sagte Scarlet und versuchte selbstbewusst zu klingen. Julius grinste. «Du hast doch nicht etwa Angst?» Scarlet verdrehte die Augen. «Natürlich nicht.» Sie waren zu fünft: Scarlet, Julius, Sam, Thalia und Leo. Freunde seit Jahren. Unzertrennlich. Zumindest dachten sie das. Am Anfang war alles normal. Sonnenstrahlen fielen durch die Äste. Vögel zwitscherten. Blätter raschelten. Doch je weiter sie gingen, desto stiller wurde es. «Hört ihr das?», flüsterte Thalia. „Was denn?“, fragte Leo. „Genau das. Nichts.“ Kein Wind mehr. Keine Tiere. Nur ihr Atem. Sie erreichten die alte Eiche. Sie war größer, dunkler, als Scarlet sie in Erinnerung hatte. Ihre Rinde war rissig. «Okay, wir waren da. Können wir jetzt zurück?», fragte Sam. Julius lachte. «Wir sind doch gerade erst angekommen.» Dann hörten sie es. Ein Knacken. Nicht von einem Ast. Wie ein Schritt. Sie drehten sich gleichzeitig um. Nichts. Ein zweites Knacken. Näher. «Hört auf mit dem Mist», sagte Leo nervös. «Ich war das nicht», murmelte Thalia. Scarlet spürte, wie sich ihre Brust zusammenzog. «Wir sollten gehen.» Doch als sie sich umdrehten, war der Weg verschwunden. Kein Pfad. Keine Spuren. Nur Bäume. Überall Bäume. Panik breitete sich aus. «Bleibt zusammen!», rief Scarlet. Zu spät. Ein Schrei zerriss die Stille. «Thalia?» Scarlet fuhr herum – doch Thalia war weg. Einfach verschwunden. «THALIA!», schrie Sam. Keine Antwort. Nur das leise Rascheln der Blätter. Sie rannten. In verschiedene Richtungen. Scarlet stolperte durch das Unterholz. Äste rissen an ihrer Kleidung. Ihr Herz klopfte so sehr wie noch nie. Ein dumpfer Aufprall. Julius’ Stimme – abgebrochen. Dann Stille. Scarlet wagte nicht, sich umzudrehen. Sie rannte weiter. Plötzlich stand Sam vor ihr. «Wo sind die anderen?» Scarlet schüttelte nur den Kopf. Wieder dieses Geräusch. Direkt hinter ihnen. Sam drehte sich um. Etwas Dunkles schoss zwischen den Bäumen hervor. Scarlet sah nur einen Schatten. Und Sams weit aufgerissene Augen. Dann wurde er nach hinten gerissen. Sein Schrei verhallte im Wald. Scarlet war allein. «Das ist nicht echt», flüsterte sie. Doch der Boden unter ihren Füßen war kalt. Die Luft war schwer. Langsame Schritte näherten sich. Nicht versteckt, sondern bewusst. Zwischen den Bäumen stand etwas. Groß und dunkel. Nicht ganz Mensch, aber auch nicht ganz Schatten. Es bewegte sich nicht. Es wartete. Und plötzlich verstand Scarlet. Der Wald wollte keine Gruppe. Er wollte Entscheidungen. Mut. Opfer. «Ich gehe», flüsterte sie. Statt wegzulaufen, ging sie langsam auf den Schatten zu. Jeder Schritt fühlte sich falsch an. Sie spürt die Kälte in ihren Knochen. Als sie direkt davorstand, zitterten ihre Knie. «Nimm mich», sagte sie. Stille. Dann plötzlich Wärme. Das Rascheln der Blätter kehrte zurück. Vogelstimmen erfüllten die Luft. Scarlet blinzelte. Sie stand am Waldrand. Allein. Hinter ihr nur normale Bäume. Die Sonne stand tief. Stunden mussten vergangen sein. Niemand glaubte ihr. Suchtrupps durchkämmten den Wald. Hunde. Taschenlampen. Rufe in der Nacht. «JULIUS!», «THALIA!», «SAM!», «LEO!» Man fand nichts. Keine Spuren. Keine Rucksäcke. Keine Handys. Als wären vier Menschen nie dort gewesen. Die Erwachsenen flüsterten. Schock? Trauma? Einbildung? Doch Scarlet wusste es besser. In der dritten Nacht wachte sie auf. Knacken. Ganz leise. Nicht draußen sondern in ihrem Zimmer. Sie setzte sich auf. Ihr Atem ging schnell. Wieder dieses Geräusch. Wie ein Schritt auf trockenem Holz. Das Licht flackerte. Sie hatte Angst. Als sie zur Tür blickte, lag etwas auf ihrem Schreibtisch. Ein Blatt. Vier eingeritzte Striche. IIII. Darunter ein fünfter – halb begonnen. V. «Ich bin doch gegangen», flüsterte sie. Am nächsten Tag stand sie wieder am Waldrand. Die alte Eiche ragte dunkel in den Himmel. Größer als zuvor. Diesmal sah sie es. In das Holz geritzt: Julius. Thalia. Sam. Leo. Die Namen ihrer Freunde noch frisch. Langsam, fast unsichtbar, begann sich unter den Namen ein weiterer einzubrennen. Scarlet wich zurück. Blätter wirbelten um sie. Und dann sah sie sie. Vier Gestalten zwischen den Bäumen. Still. Julius starrte sie an. Thalias Augen waren leer. Sam bewegte sich nicht. Leo hob langsam die Hand. Nicht zum Winken. Zum Rufen. Ein Flüstern legte sich in die Luft. «Komm zurück.» Scarlet stolperte rückwärts. Fiel. Als sie aufsah, war sie allein. Nur Bäume. Sie hörte nur den Wind, ihr atmen, die Blätter und die Vögel. Ihre 4 Freund einfach weg. Nur die alte Eiche. Und unter den vier Namen stand nun ein fünfter: Scarlet. Ein Mädchen und ihre vier Freunde betraten einen Wald. Nur eine kam heraus. Aber der Wald entscheidet selbst, wann eine Geschichte wirklich endet.                                                

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