"A flicker of light" - Eine Geschichte von Eshaal Raja - Young Circle

«A flicker of light» – Eine Geschichte von Eshaal Raja

Member Stories 2026

«A flicker of light» – Eine Geschichte von Eshaal Raja

«Das Alter ist nur eine Zahl, dennoch kann es den Menschen nach vielen Erfahrungen ändern. Claire, Schätzchen, du hast ein Licht in deinem Herzen so wie jeder andere Mensch auch. Lass nie zu, dass irgendjemand dir dieses Licht wegnimmt, denn wenn dieses Licht verschwindet, verschwindest du auch.», sagte meine Grossmutter zu mir. Ich sah sie an und prustete los, «Oma du musst wirklich aufhören so viele Märchenbücher zu lesen», sagte ich Kopfschüttelnd, während ich mir eine imaginäre Träne wegwischte. «Claire das ist nicht lustig, ich meine das wirklich ernst», sie sah mich damals streng an, als mir das sagte. Ich wünschte ich hätte ihre Worte ernster genommen.

«Endlich ist es so weit, morgen ist unser erster Schultag, kannst du das glauben?», fragte ich Asher, meinen besten Freund, während wir videotelefonierten. Er war auf dem Handy Display zu sehen, doch ganz bei der Sache schien er nicht zu sein. «Uh Asher bist du noch da?». Er schien endlich aus seinen Gedanken herauszukommen. «Claire, weisst du noch damals, als du mir dieses Märchen beschrieben hast, das dir deine Grossmutter oft erzählte?», fragte er mich, anstatt mir eine Antwort auf meine Frage zu geben. «Das mit dem ‘Licht in deinem Herzen ‘Zeugs?», entgegnete ich ihm. «Ja genau dieses Märchen», er sah komischerweise erleichtert aus nach meiner Antwort, als hätte er gehofft ich würde wissen, wovon er redet. «Ich glaube sie wusste genau, wovon sie sprach.» Er atmete tief durch, bevor er fortfuhr. «Du hast ja ihr Märchenbuch nach ihrem Tod behalten, oder? Kannst du schnell zur Seite mit dem Herzensmärchen blätter-», bevor er fertigsprechen konnte, endete der Videoanruf. Ich versuchte ihn wieder anzurufen. Einmal, zweimal, dreimal, doch mein Display zeigte mir nur, dass er unerreichbar war. Da es schon spät war machte ich mir keine Gedanken darüber und ging ins Bett. Ich kann ihn Morgen darüber fragen.

Nachdem ich mich eine Stunde lang für den ersten Schultag bereit gemacht hatte, stand ich vor Ashers Haus. Der Weg dorthin war ganz einfach, denn wir wohnten im gleichen Quartier. Es schwirrte mir eine Frage im Kopf, als ich klingelte: Woher hatte er den Titel des Märchens gewusst? In unseren Gesprächen hatte ich ihn nie erwähnt. Seine Mutter Mrs. Planche, eine gute Kollegin meiner Mutter, öffnete die Tür. «Hallo, Claire wie kann ich dir helfen?», fragte sie mich mit einem Lächeln, das aber nicht wirklich bis zu ihren Augen reichte. «Ich wollte fragen, ob sie wissen, wo Asher ist…». Sie hatte kurz ein Flackern in ihren Augen, doch schlussendlich sah seine Mutter mich nach dieser Frage verständnislos an. «Es tut mir leid Liebes, aber ich kenne niemanden mit diesen Namen», sie sah mir fest in die Augen. «Asher, ihr Sohn, honigblondes Haar, haselnussbraune Augen, Sechzehn Jahre alt?», versuchte ich es nochmal. Sie verzog ihr Gesicht zu einer Fratze, «Claire, ich versuche mit meinem Mann seit Jahren ein Kind zu haben, einen Sohn habe ich ganz sicherlich nicht. Ich weiss, dass du ein Teenager bist aber solche Witze find ich wirklich nicht großartig.» Obwohl ich nichts Falsches getan hatte, wurden meine Wangen rot. Ich verabschiedete mich, ohne mich zu entschuldigen und ging zur Schule. Die Lehrperson las die Klassenliste, ab und es wurde absurderweise Ashers Name nie gesagt, trotz dieser komischen Situation verging der Schultag besser als ich gedacht hätte und machte sogar noch Spass. Ich war mit vielen aus meiner alten Klasse in der neuen und war deshalb trotz Ashers Abwesenheit nicht allein. In den Schulpausen hoffte ich, dass jemand von ihnen mich fragen würde, wo Asher ist, da sie mit ihm und mir in der gleichen Klasse waren, doch das geschah nie.

Nachdem wir alle das Geräusch der Schulklingel hörten, welche uns allen verkündete, dass die Schule vorbei war, kam mein erster Kuss ins Schulzimmer. «Wie geht’s meiner kleinen Schwester so? Gefällt dir die neue Schule? Wenn nicht, kann ich’s verstehen. An meinem ersten Tag hier fand ich das Schulgebäude potthässlich. Brauchte drei Jahre, um mich an diesem Anblick jeden Morgen zu gewöhnen.», sagte mir meine ältere Schwester, die interessanterweise auch mein erster Kuss war. Ich weiss, das klingt schlimm, aber ich war ein fünfjähriges Kind, das viel zu viele Disneyfilme konsumiert hatte. Woher hätte ich wissen sollen, dass meine Eltern von mir erwarteten, dass ich ihr einen Kuss auf die Wange und nicht auf die Lippen geben soll, als sie vor 10 Jahren dieses peinliche Foto von uns schossen?
Anstatt ihr eine Antwort zu geben, nahm ich mir Asher als Vorbild und fragte ihr stattdessen eine Gegenfrage: «Weisst du, wer Asher ist?», in meiner Stimme war ein Zögern zu hören, wegen dessen ich mich etwas schämte. Ich hatte meine ganze Kindheit mit ihm verbracht, ich sollte selbstbewusst antworten können, wenn es darum geht, ob er existiert oder nicht. «Bist du nicht etwas zu alt für imaginäre Freunde?», gab sie mir als Antwort entgegen, während sie sich ein Lächeln verkniff. Das Flackern, das Ashers Mutter hatte, war in ihren Augen auch kurz zu sehen, bevor es verschwand, als wäre es nie da gewesen. Ich sah sie enttäuscht an und dachte auf unseren Nachhauseweg an dem Gespräch, das ich mit ihm Gestern Abend hatte. Er sprach über das Märchen, er wusste mehr als er wissen sollte, er fragte nach dem Märchenbuch. Die Antworten auf sein Verschwinden müsste ich dort finden sonst-ich will gar nicht wissen was sonst wäre. Cloe griff zum Glück nicht auf meine vorherige Frage zurück und hörte mit ihren Kopfhörern Musik.

Zuhause angekommen griff ich als erstes nach dem alten abgewetzten Märchenbuch und blätterte zu der Seite mit dem Herzensmärchen. Ich überflog jede Seite des Märchens und blieb bei einer Textstelle stehen.

«Asher bitte halt durch, ich komme», flüsterte ich mir leise zu, bevor ich aufbrach. Dunkelbraune Locken, Sommersprossen und schokobraune Augen sahen mir noch kurz entgegen, als ich beim Spiegel neben der Haustür in unserem schmalen Gang vorbeilief, und endgültig das Haus verliess.

«Das Alter ist nur eine Zahl, dennoch kann es den Menschen nach vielen Erfahrungen ändern. Claire, Schätzchen, du hast ein Licht in deinem Herzen so wie jeder andere Mensch auch. Lass nie zu, dass irgendjemand dir dieses Licht wegnimmt, denn wenn dieses Licht verschwindet, verschwindest du auch.», sagte meine Grossmutter zu mir. Ich sah sie an und prustete los, «Oma du musst wirklich aufhören so viele Märchenbücher zu lesen», sagte ich Kopfschüttelnd, während ich mir eine imaginäre Träne wegwischte. «Claire das ist nicht lustig, ich meine das wirklich ernst», sie sah mich damals streng an, als mir das sagte. Ich wünschte ich hätte ihre Worte ernster genommen.

«Endlich ist es so weit, morgen ist unser erster Schultag, kannst du das glauben?», fragte ich Asher, meinen besten Freund, während wir videotelefonierten. Er war auf dem Handy Display zu sehen, doch ganz bei der Sache schien er nicht zu sein. «Uh Asher bist du noch da?».  Er schien endlich aus seinen Gedanken herauszukommen. «Claire, weisst du noch damals, als du mir dieses Märchen beschrieben hast, das dir deine Grossmutter oft erzählte?», fragte er mich, anstatt mir eine Antwort auf meine Frage zu geben. «Das mit dem ‘Licht in deinem Herzen ‘Zeugs?», entgegnete ich ihm. «Ja genau dieses Märchen», er sah komischerweise erleichtert aus nach meiner Antwort, als hätte er gehofft ich würde wissen, wovon er redet. «Ich glaube sie wusste genau, wovon sie sprach.» Er atmete tief durch, bevor er fortfuhr. «Du hast ja ihr Märchenbuch nach ihrem Tod behalten, oder? Kannst du schnell zur Seite mit dem Herzensmärchen blätter-», bevor er fertigsprechen konnte, endete der Videoanruf. Ich versuchte ihn wieder anzurufen. Einmal, zweimal, dreimal, doch mein Display zeigte mir nur, dass er unerreichbar war. Da es schon spät war machte ich mir keine Gedanken darüber und ging ins Bett. Ich kann ihn Morgen darüber fragen.

Nachdem ich mich eine Stunde lang für den ersten Schultag bereit gemacht hatte, stand ich vor Ashers Haus. Der Weg dorthin war ganz einfach, denn wir wohnten im gleichen Quartier. Es schwirrte mir eine Frage im Kopf, als ich klingelte: Woher hatte er den Titel des Märchens gewusst? In unseren Gesprächen hatte ich ihn nie erwähnt. Seine Mutter Mrs. Planche, eine gute Kollegin meiner Mutter, öffnete die Tür. «Hallo, Claire wie kann ich dir helfen?», fragte sie mich mit einem Lächeln, das aber nicht wirklich bis zu ihren Augen reichte. «Ich wollte fragen, ob sie wissen, wo Asher ist…». Sie hatte kurz ein Flackern in ihren Augen, doch schlussendlich sah seine Mutter mich nach dieser Frage verständnislos an. «Es tut mir leid Liebes, aber ich kenne niemanden mit diesen Namen», sie sah mir fest in die Augen. «Asher, ihr Sohn, honigblondes Haar, haselnussbraune Augen, Sechzehn Jahre alt?», versuchte ich es nochmal. Sie verzog ihr Gesicht zu einer Fratze, «Claire, ich versuche mit meinem Mann seit Jahren ein Kind zu haben, einen Sohn habe ich ganz sicherlich nicht. Ich weiss, dass du ein Teenager bist aber solche Witze find ich wirklich nicht großartig.» Obwohl ich nichts Falsches getan hatte, wurden meine Wangen rot. Ich verabschiedete mich, ohne mich zu entschuldigen und ging zur Schule. Die Lehrperson las die Klassenliste, ab und es wurde absurderweise Ashers Name nie gesagt, trotz dieser komischen Situation verging der Schultag besser als ich gedacht hätte und machte sogar noch Spass. Ich war mit vielen aus meiner alten Klasse in der neuen und war deshalb trotz Ashers Abwesenheit nicht allein. In den Schulpausen hoffte ich, dass jemand von ihnen mich fragen würde, wo Asher ist, da sie mit ihm und mir in der gleichen Klasse waren, doch das geschah nie.

Nachdem wir alle das Geräusch der Schulklingel hörten, welche uns allen verkündete, dass die Schule vorbei war, kam mein erster Kuss ins Schulzimmer. «Wie geht’s meiner kleinen Schwester so? Gefällt dir die neue Schule? Wenn nicht, kann ich’s verstehen. An meinem ersten Tag hier fand ich das Schulgebäude potthässlich. Brauchte drei Jahre, um mich an diesem Anblick jeden Morgen zu gewöhnen.», sagte mir meine ältere Schwester, die interessanterweise auch mein erster Kuss war. Ich weiss, das klingt schlimm, aber ich war ein fünfjähriges Kind, das viel zu viele Disneyfilme konsumiert hatte. Woher hätte ich wissen sollen, dass meine Eltern von mir erwarteten, dass ich ihr einen Kuss auf die Wange und nicht auf die Lippen geben soll, als sie vor 10 Jahren dieses peinliche Foto von uns schossen?

Anstatt ihr eine Antwort zu geben, nahm ich mir Asher als Vorbild und fragte ihr stattdessen eine Gegenfrage: «Weisst du, wer Asher ist?», in meiner Stimme war ein Zögern zu hören, wegen dessen ich mich etwas schämte. Ich hatte meine ganze Kindheit mit ihm verbracht, ich sollte selbstbewusst antworten können, wenn es darum geht, ob er existiert oder nicht. «Bist du nicht etwas zu alt für imaginäre Freunde?», gab sie mir als Antwort entgegen, während sie sich ein Lächeln verkniff. Das Flackern, das Ashers Mutter hatte, war in ihren Augen auch kurz zu sehen, bevor es verschwand, als wäre es nie da gewesen. Ich sah sie enttäuscht an und dachte auf unseren Nachhauseweg an dem Gespräch, das ich mit ihm Gestern Abend hatte. Er sprach über das Märchen, er wusste mehr als er wissen sollte, er fragte nach dem Märchenbuch. Die Antworten auf sein Verschwinden müsste ich dort finden sonst-ich will gar nicht wissen was sonst wäre. Cloe griff zum Glück nicht auf meine vorherige Frage zurück und hörte mit ihren Kopfhörern Musik.

Zuhause angekommen griff ich als erstes nach dem alten abgewetzten Märchenbuch und blätterte zu der Seite mit dem Herzensmärchen. Ich überflog jede Seite des Märchens und blieb bei einer Textstelle stehen.

«Asher bitte halt durch, ich komme», flüsterte ich mir leise zu, bevor ich aufbrach. Dunkelbraune Locken, Sommersprossen und schokobraune Augen sahen mir noch kurz entgegen, als ich beim Spiegel neben der Haustür in unserem schmalen Gang vorbeilief, und endgültig das Haus verliess.


                                     

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