"Der gestohlene Schlüssel" - Eine Geschichte von Miriam Engler - Young Circle

«Der gestohlene Schlüssel» – Eine Geschichte von Miriam Engler

Neue Member Stories

«Der gestohlene Schlüssel» – Eine Geschichte von Miriam Engler

Jane glaubt, einen gefährlichen Plan der mächtigen Abernathy-Familie verhindern zu können – bis sie auf der Flucht im Wald gefasst wird. Doch in letzter Sekunde taucht eine Fremde auf, die ihr erschreckend ähnlich sieht. Als die Wahrheit ans Licht kommt, erkennt Jane: Ihr Kampf ist grösser, als sie dachte – und sie ist nicht allein.

Ohne zurückzuschauen rannte ich aus dem Palasthof der Abernathy’s Richtung Wald. Der trockene Boden knirschte unter meinen Füssen und ich spürte jede Wurzel, über die ich trat.  Ich musste hier so schnell wie möglich weg. Ich war aufgeflogen, obwohl ich alles perfekt unter Kontrolle hatte. Ich konnte den Schlüssel ohne Turbulenten stehlen und mich unbemerkt rausschleichen. Alles lief nach Plan, bis plötzlich der viel zu gutaussehende Sohn Scott Johanson vom Sicherheitschefs des vor dem Palast auftauchte.  Leider war das nicht unsere erste Begegnung und er wusste sofort was hier vorging und schlug Alarm.

Ich rannte immer tiefer in den Wald hinein. Ausser meinen schnellen Schritten und dem leisen Vogelgezwitscher war es völlig still. Meine Beine wurden müde und meine Schritte wurden kürzer und langsamer. Ich sah mich um und sah niemanden, der mich verfolgte. Ich legte eine kurze Verschnaufpause ein und ging anschliessend weiter. Die Sonne drang leicht durch die Äste und am Boden zeichnete sich ein Schatten von mir ab. Wäre ich nicht auf der Flucht, wäre es hier wunderschön, um ein Buch zu lesen.

Unerwartet nahm ich ein Knacken und eine Bewegung rechts von mir wahr. Wie aus dem nichts, trat eine junge Frau hinter einem Baum hervor. Sie hatte mittellange Haare und eine grosse, feine Brille. Sie trug eine schwarze Cargohose, dazu ein weisses Shirt. Als sie sich mir näherte, konnte ich sie endlich genauer ansehen.  Mich traf der Schlag, als ich ihr Gesicht sah.  Sie sah aus wie ich!  Die gleichen kastanienbraune Haare und das gleiche Muttermal, links unterhalb des Auges. Sogar ihr Kleidungsstil ähnelte sich meinem. Wer war das?  

Leider bemerkte ich erst jetzt, dass ich vor Schock stehen geblieben war. Ich wollte gerade umdrehen, als mich plötzlich jemand packe und meine Arme nach hinten riss. Ich stiess auf dem harten Wald-Boden auf und schrie vor Schmerzen auf. Jemand hielt meine Arme auf den Rücken und presste das Bein auf meine Wirbelsäure. Ich drehte meinen Kopf gerade so weit, dass ich sein Gesicht sehen konnte, in dem sich ein deutliches Lächeln zeigte. Scott hielt meine Arme fest und fesselte sie mit Kabelbindern, die mir sofort in die Haut schnitten. Ich versuchte mich zu wehren, doch ich hatte keine Chance.

Selbstzufrieden begann Scott   zu reden «Jane, spar dir deine Kräfte besser für später. Sie werden dich vernichten, sobald ich dich ihnen überliefert habe. » ich schnaubte ungläubig. «Du kannst mich mal.» Ich brauchte eine Schnaufpause. «Du hast keine Ahnung, was die Abernathy’s mit dem Schlüssel anstellen. Sie werden die Menschen beeinflussen und beherrschen wie Marionetten!» zischte ich ihn an.  Der Schlüssel hat die Form eines Chips und kann in jeden Computer eingesetzt werden. Wer diesen Chip hat und in einsetzt, hat Zugriff auf jedermanns Handy. Es könnte jeder manipuliert werden, ohne dass es bemerkt wird. Das darf nicht passieren. Scott lachte auf « Sei still! Deine kleinen Märchen interessiert niemand.» Er zog die Kabelbinder fester und ich spürte, wie das Blut aus meiner Haut floss.

Scott wandte sich an die junge Frau. «Schön, dass du sie aufgehalten hast, Rosalia. Ich überliefere sie nun deinen Eltern.» Rosalia war also ihr Name und sie gehört zum Palast? Sie ist eine Abernathy? Irgendwo hatte ich schon einmal von ihr gehört. Scott zog mich auf die Beine und hielt mich weiterhin fest.  Sie erwiderte genervt «Das Wort «Danke» hast du wohl noch nie benutz du Grossmaul, oder?»  Ich lachte vor mich hin, da ich genau wusste, was sie meinte. Scott funkelte uns böse an «Das werdet ihr noch büssen. Rosalia gib mir das Mittel.» Rosalia   machte keine Anstalten ihm etwas zu geben. Sie ist nicht die, für die sie sich ausgibt.  «Sofort!» schrie er sie an. Sie zögerte und zog ein kleines Fläschchen aus der linken Hosentasche. Sie überreichte es ihm und trat einige Schritte zurück. Als ich ihr in die Augen sah, zwinkerte sie mir zu. Wer ist sie bloss und warum habe ich das Gefühl ich kenne sie? «Geht doch.» sagte Scott und wandte sich an mich. «Das ist bald das letzte Mal, dass du uns Ärger bereitest.» Er nahm meinen Nacken in die Hand und strich sanft darüber. Was sollte das werden? «Du hübsche kleine Göre. Es tut mir fast leid das zu tun, aber leider halt nur fast.» Kaum hatte er den Satz beendet riss er mein Maul auf und schüttete die Flüssigkeit in meinen Mund. Das Mittel schmeckte nach Kräutern und nach Eisen. Was war das? Ich wollte es ausspucken, aber er liess mir keine Wahl. Ich nahm gerade noch wahr, wie sich Rosalia auf ihn stürzte und ihm einen Tritt in die Magengrube verpasste. Die Art wie sie es machte, ähnelte der meine. Wer ist sie bloss? Als hätte sie meinen Blick auf ihr gespürt, wandte sie sich mit einem sanften lächeln an mich. «Hab keine Angst Schwesterchen, es wird alles gut.»  Was!  Ich wollte Rosalia gerade danach fragen, doch dann wurde alles schwarz.  

                                     

Hier geht’s zu den weiteren Member Stories:

Bewertung