"Until I see you again" - Eine Geschichte von Julia Gasser - Young Circle

«Until I see you again» – Eine Geschichte von Julia Gasser

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«Until I see you again» – Eine Geschichte von Julia Gasser

Manchmal beginnt etwas Wichtiges ganz zufällig – in einem Zugabteil zwischen zwei Fremden. Aus einem kurzen Gespräch entsteht eine Verbindung, die Luca einen Moment lang seine Sorgen vergessen lässt. Eine leise Geschichte über Begegnungen, Mut und den Anfang von etwas Neuem.

Wieder rempelte Luca jemanden an als er auf Gleis vier rannte. Hauptsache er würde den Zug noch erwischen. Dieser rollte in den Bahnhof, als er keuchend zum Stehen kam. Er fuhr sich durch die kurz geschnittenen dunklen Haare. Die Türen öffneten sich zischend. Im Abteil war neben einem Jungen mit schwarz lackierten Fingernägeln noch ein Platz frei.

Er setzte sich. Erleichtert, dass er sofort seine Tasche wegzog, als er ihn kommen sah. «Danke.» «Kein Problem, bis zur nächsten Station geht es lange.» Antwortete er als Luca sich setzte. Der Junge war Athletisch gebaut und um einiges grösser als er. Sein Blick verhakte sich mit den wunderschönen, dunkelbraunen Augen des Schwarzhaarigen.

«Wohin reist du?» Fragte ihn dieser. «Zu meinen Grosseltern nach Lugano. Und du?» «Das ist ja eine Überraschung. Ich auch. Dann werden wir uns ja für ein paar Stunden aushalten müssen.» antwortete er mit einem zwinkern. Luca errötete und zog seine langen Ärmel über seine Handflächen und schwieg.

«Ich heisse Jonathan.» sagte der Junge mit karamellfarbener Haut. «Luca.» murmelte er daraufhin. «Nun Luca warum reist du an einem Mittwochnachmittag nach Lugano zu deinen Grosseltern?» «Ich habe Ferien und mein Vater hat mich rausgeschmissen.» Antwortete er genervt wegen der Frage. Die Erinnerung wie sein Vater ihn aus der Wohnung scheuchte, versetzte ihm einen Stich. «Das ist weniger von Vorteil» sagte Jonathan. Sein Verständnisvoller Blick liess ihn zusammen schrumpfen in seinem Sitz. «Warum bist du unterwegs?» Fragte er, um von dem Thema abzulenken. «Ich besuche eine gute Freundin von mir. Wenn du willst können wir uns ja mal treffen.» «Ja mal schauen.» antwortete Luca.

«Bekomme ich deine Nummer, wenn ich lieb frage?» riss ihn die warme Stimme des Anderen aus seinen Gedanken. Überrumpelt sah er ihn an. «ähh… Vielleicht?» sagte er unsicher. Der Junge mit den umwerfenden Augen lachte kurz. «Okay, damit kann ich leben. Darf ich bitte deine Nummer haben.» fragte er ihn mir übertriebenem Augenaufschlag. Luca errötete und nahm das Telefon, das Jonathan ihm hinhielt. Er gab seine Nummer in das Feld ein und Speicherte sich als Luca Walker ein. «Danke.» Sagte Jonathan und steckte das Gerät wieder in seine Hosentasche.

Ihr Gespräch wurde eine Weile von Jonathan am Leben erhalten, bis er merkte wie Luca die Augen immer wieder zufielen. Sein Kopf landete auf der Schulter von Jonathan. Luca wusste nicht mehr wann er eingeschlafen war. Nur noch wie eine Sanfte Hand ihn wachrüttelte. «Wir sind angekommen. Du musst aufwachen.» Seine Augen öffneten sich flatternd. Langsam standen sie auf und nahmen ihr Gepäck. «Es war toll mit dir zu reden. Ich würde mich freuen, dich wieder zu sehen.» Jonathan lächelte auf ihn runter. «Ja, können ja schauen ob wir mal Zeit haben.» antwortete Luca. «Ja, dann bis bald.» «Tschüss» sagte Luca und schaute zu, wie Jonathan aus seinem Blickfeld verschwand. Er stieg die Treppe rauf und lief los in die Richtung in der seine Grosseltern wohnten.

«Luca, ci sei mancato! Wie geht es dir? Du bist schon wieder gewachsen!» rief seine Grossmutter aus, als er in das vertraute Haus eintrat. «Ciao Nonna. Es geht mir gut. Ich habe euch auch vermisst.» Sagte Luca. «Komm rein. Deine Mutter hat mir schon geschrieben, dass dich dieser Nichtsnutz schon wieder rausgeschmissen hat.» Luca sah betreten zu Boden. «Ich habe mir wirklich Mühe gegeben.» «Ich weiss, es ist nicht deine Schuld, das sollte dein Vater auch mal einsehen. L’amore è amore. Und jetzt komm rein dein Grossvater hat gekocht.» Der Abend verflog nur so. Seine Grosseltern lenkten ihn von dem Drama bei ihm Zuhause ab.

Am nächsten Tag schrieb ihm Jonathan.

Jonathan Thorne

Hey Luca

Ich hoffe du bist gut angekommen bei deinen Grosseltern. Ich dachte wir könnten uns vielleicht heute treffen. Meiner besten Freundin ist noch ein wichtiger Termin dazwischengekommen und ich hätte Zeit.

Luca Walker

Hallo Jonathan

Ich habe die ganzen Ferien Zeit. Wann willst du?

Jonathan Thorne

Wollen wir uns in einer halben Stunde bei der Piazza della Riforma treffen?

Luca Walker

Passt für mich. Dann bis später.

Aufgeregt Wühlte Luca in seinem Rucksack herum. Ohne es zu geben zu wollen, wollte Luca gut aussehen, wenn er wieder auf Jonathan treffen würde. Nach einer halben Stunde traf er beim verabredeten Platz ein. Jonathan wartete schon am Rande des Platzes. «Hey Luca, ich hätte nicht erwartet dich schon so bald wieder zu sehen.» Begrüsste er ihn. «Hey wie geht`s dir?» Jonathan schmunzelte. «Ganz gut wollen wir vielleicht in das Café da vorne gehen? Wie läufts denn bei dir?» Fragte Jonathan. «Ja können wir und bei mir läuft es auch wieder gut.» sagte Luca lächelnd. Das Treffen verlief weniger unangenehm als erwartet. Nachdem sie in dem Café etwas tranken, schlenderten sie durch die Altstadt und assen zu Mittag in einem Restaurant. Die Gespräche waren ungezwungen und sie erfuhren viel über den anderen. Als sie sich auf den Rückweg machten, fragte Luca ihn. «Treffen wir uns wieder?» «Willst du mich wieder sehen?» fragte Jonathan zurück. Die Antwort war einfach. «Ja.» «Dann werde ich dir schreiben.» «Oder ich dir.» antwortete Luca. Die beiden standen nah bei einander. Sehr nah.

«Darf ich?» fragte Jonathan. «Was?» «Dich küssen?» «Vielleicht.» «Vielleicht?» «Ja.» antwortete Luca und schloss den Abstand zwischen ihnen.
                                     

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