Er läuft den Gang hinauf. Ganz hinauf bis zum Zimmer. Das Zimmer, das er kennt. Er kennt es sehr gut. Aber es sieht anders aus. Alles ist dunkel. Es ist Nacht. Der Mond scheint hinein. Es ist still, man hört nur seine Schritte.
Er bleibt vor dem Zimmer stehen. Nummer 36. Die Schrift der 36 ist noch genau gleich, aber die Bilder, welche an der Tür kleben – die sind anders.
Er lehnt sich nach vorne. Zeichnungen von Kindern kleben an der Tür. Damals klebten sie noch nicht dort. Damals, als er das letzte Mal da war. Als er das letzte Mal aus der Tür ging. Als er das letzte Mal über die Schwelle ging. Als er endlich wegkonnte und nie wieder kommen wollte.
Und trotzdem war er da. In der Dunkelheit. Obwohl damals alles heller war bei Tageslicht, war es damals doch dunkler als jetzt. Jetzt, wo er wieder da war. Jetzt, wo er älter war, jetzt, wo alles anders war. Und doch war er hier.
«Warum bin ich zurückgekommen? Ich wollte doch nie wieder kommen.»
Er sah zur Seite, die Garderobe und die Bank. Es hingen keine Jacken, aber ganz unten, ja, da waren Finken. Es waren aber nicht dieselben Finken. Dort, wo einmal seine Finken waren, waren jetzt andere Finken.
«Es tut noch weh.»
Die Erinnerungen, sie kamen wieder. Er sah zur Tür, diese Tür. Er wusste, was dahinter war. Das war das Zimmer mit den Pulten links, das Zimmer mit den Schränken rechts. Das Zimmer, in dem er immer vorne rechts sass.
Das war das Zimmer.
«Es tut noch weh.»
Er schüttelte den Kopf und drehte sich um. Er lief den Gang wieder zurück, alles zurück von dort, wo er herkam.
Das war einmal, es ist egal. Was war, ist egal.
Er sah noch einmal über die Schulter.
Es war, was war.
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