"Das Amulett auf tiefstem Meeresgrund Hawaiis" - Eine Geschichte von Nejra Ibrahimovic - Young Circle

«Das Amulett auf tiefstem Meeresgrund Hawaiis» – Eine Geschichte von Nejra Ibrahimovic

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«Das Amulett auf tiefstem Meeresgrund Hawaiis» – Eine Geschichte von Nejra Ibrahimovic

Ein uralter Fluch, ein verlorener Prinz und zwei verfeindete Meeresreiche. Seit Jahrhunderten wartet Nox gefangen in einem Amulett auf seine Freiheit.

Prolog

Vor 500 Jahren

Blut. Es sickerte aus seinem Mund und zerfloss im Wasser. Er hatte sie verraten, und nun bezahlte er seinen Preis…

Fhalgorath ist eine Meerjungfrauen- und -männer-Stadt am tiefsten Grund des Meeresbodens, nicht weit entfernt von Valtheris, ebenfalls eine Meerjungfrauen- und -männer-Stadt. Fhalgorath ist eine grausame Stadt, die nichts weiter als Rache und die Zerstörung von Valtheris will. Die beiden Städte wurden ursprünglich von zwei friedlichen Brüdern regiert. Vor ein paar Jahrhunderten verfeindeten sie aufgrund einer heftigen Streiterei. Der Grund dieser Streiterei ist niemandem bekannt, bis heute wird gerätselt. Das Ganze lief so ausser Kontrolle, dass der ehemalige Herrscher von Fhalgorath ein Attentat an seinen Bruder beging. Doch der ehemalige König von Valtheris konnte im Kampf auch seinen Bruder töten, sodass beide starben. Meerjungfrauen und Meerjungmänner können von Natur aus nicht sterben. So wurde die älteste Tochter des grausamen Herrschers von Fhalgorath zur neuen Herrscherin und der älteste Sohn des friedlichen Königs von Valtheris zum neuen König. Der neue König von Valtheris heiratete und bekam früh Kinder, nämlich Zwillinge. Einen Jungen, der Nox benannt wurde und ein Mädchen, das Diela benannt wurde. Die Königsfamilie von Valtheris lebte glücklich und zufrieden, bis Nox von Soldaten aus Fhalgorath entführt wurde. Das gesamte Königreich brach in Panik aus, viele versuchten, ihn von dort zurückzuholen, doch niemand kehrte zurück… was hatte die Cousine des neuen Königs mit dem Prinzen des Mondes von Valtheris vor?

Nox

Heute

Seit fünfhundert Jahren bin ich eingesperrt, in diesem nutzlosen Amulett. Nichts und niemand wird diesen Fluch jemals brechen können, ich werde für immer und ewig hier drinnen leben müssen. Es ist sehr eng. Ich werde langsam wahnsinnig.

Ich war erst vier Jahre alt, als ich verschleppt wurde. Ich spielte auf einer Seetang-Wiese mit meinem Haustier, Fishie, und war unachtsam.

In Fhalgorath wurde ich von der Cousine meines Vaters zum Krieger und Vollstrecker von Eindringlingen und Kriminellen ausgebildet. Ich habe mich gewehrt, habe als Kind geweint. Daraufhin wurde ich meistens bestraft. Ich merkte schnell, dass ich parieren muss, sonst würde alles nur noch schlimmer werden. Sie hat versucht, meine Erinnerungen zu löschen. Doch es hat nicht funktioniert, keine Ahnung warum, tja, vielleicht hatten die Götter Mitleid mit mir.

Als sie dachte, dass ich meine Erinnerungen verloren habe, erzählte sie mir was sie eigentlich vorhat. Sie plante einen Krieg mit Valtheris, wahrscheinlich aus Rache oder aus welchem Schwachsinn auch immer, es war mir nicht bekannt. Viele Jahre sagte sie mir nichts mehr, ich dachte sie hätte die Idee mit dem Krieg längst vergessen oder verworfen. Doch es stellte sich heraus, dass sie jahrelang geplant hatte. Mit neunzehn Jahren erfuhr ich es und wusste, dass ich irgendetwas tun muss, ich musste meiner Heimat irgendwie Bescheid geben. Doch wie? Schliesslich entschied ich mich dazu, einen Brief zu schreiben. Es war simpel, aber riskant, und ich war ein Narr. Ich hatte einen Verbündeten unter den Wachen. Nun ja, ich dachte, ich hätte einen Verbündeten unter den Wachen.

Kurz und knapp, der Brief wurde aufgedeckt. Es war schrecklich. Sie bestrafte mich stundenlang, und dann verfluchte sie mich in dieses Amulett. Sie sagte, es wäre doch sicher schlimmer für mich, wenn ich leben müsse, anstatt zu sterben. Und nun bin ich hier, in diesem Amulett in Form eines Mondes, da mein Titel, bis ich vier Jahre alt war, der Prinz des Mondes von Valtheris war. Meine Schwester, Diela war, oder besser gesagt ist, falls sie noch lebt, keine Ahnung, die Prinzessin der Sonne von Valtheris. Dann wurde ich zum meistgefürchteten Vollstrecker und Krieger Fhalgoraths.

Und jetzt kommts. Der Fluch kann nur gebrochen werden, wenn eine Meerjungfrau das Amulett küsst. Wie kitschig, finde ich. Aber sehr wirksam, denn bis jetzt ist das noch nicht passiert.

Ja, ich werde wirklich langsam wahnsinnig, ich liege nur am Meeresboden herum, in irgendeiner Schlucht von Fhalgorath, in die mich die grausame Herrscherin geworfen hatte.

Ich bin 519 Jahre alt und habe vergessen, wie mein Gesicht aussieht. Ich kann nur nach draussen sehen, ins Blau. Manchmal schwimmt ein Fisch vorbei. Sie erinnern mich an mein ehemaliges Haustier. Hat der Krieg stattgefunden? Werde ich jemals frei sein?

Viktoria

Hawaii ist wunderschön. Endlich sind Sommerferien. Die Schule nervt, doch in zwei Jahren bin ich endlich fertig damit und kann studieren. Ich will Humanmedizin studieren und dann eine Weiterbildung als Kinderärztin machen. Doch weg mit den Gedanken jetzt – ich muss die Sonne geniessen! Ich liege am Strand und bräune mich auf meinem Handtuch. Also ich versuche es, meine Haut bleibt aber eher so wie sie ist, nämlich ein bisschen blass. Meine Mutter liegt neben mir und schläft auf ihrem Handtuch. Meine Eltern haben sich getrennt als ich noch klein war. Meine kleine Schwester Mila ist mit meinem Vater nach New York geflogen, ich mit meiner Mutter nach Hawaii. Ich und meine Mutter haben ein wunderschönes Appartement am Privatstrand gebucht. Ich schaue dem Sonnenuntergang zu. Weit und breit ist niemand zu sehen. So geniesse ich die letzten Sonnenstrahlen. Als die Sonne schliesslich hinter dem Horizont verschwindet, wecke ich meine Mutter. „Mom, Sollen wir reingehen?“, frage ich. Sie blinzelt.

„Ja, und bitte vergiss nicht, alles vom Strand einzupacken!“, sagt sie, steht auf und wendet sich schonmal zum Gehen. Ich schnappe mir unsere Strandtasche, stopfe die Handtücher hinein, die Sonnencreme, die Sonnenbrillen… und gehe auch zu unserem Appartement zurück.

„Hier sind die Sachen, wo soll ich sie hintun?“ „Stell sie in den Schrank, Liebes.“

Ich will die Sachen in den Schrank stellen, als ich merke, dass ich meine Flip-Flops vergessen habe. „Mom, ich habe meine Flip-Flops vergessen.“
„Hol sie, aber schnell!“
Im Laufschritt kehre ich zum Strand zurück und will meine Flip-Flops aufheben, als ich ein Platschen höre. Ich drehe mich um. Das Platschen taucht nicht nochmal auf, doch da sehe ich es.

Ein Mensch, eine wunderschöne junge Frau im Mondlicht, liegt auf dem glänzenden Stein. Jedenfalls denke ich, es sei eine Frau, bis ich diese Schwanzflosse sehe…

Fortsetzung folgt.

(Ich hätte gerne noch weitergeschrieben.)

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